Teuflisch gut
Die Bühne ist fast leer. Nur ein Sessel, darin ein Mann in «Arbeitskleidung: Maske, winzige rote Hörner, Trainingsanzug. Der Titelheld. «KathoTV» zeigt unterdessen Bilder eines sterbenden Papstes, der irgendeinem heilbringenden Ritus vorsteht, und unsichtbare Chöre aus himmlischen Phalanxen, Cherubim und Pönitenten singen dem Herrn diverse Loblieder. In der neuen Inszenierung von Boitos «Mefistofele», die Moshe Leiser und Patrice Caurier für das Teatro La Fenice realisiert haben, sind die Geister nur reine Stimmen, die in der Dunkelheit widerhallen.
Dagegen zeigt sich der Teufel sogleich in seiner ganzen Körperlichkeit den Menschen, die bereit sind, sich seinen gefährlichen Schmeicheleien widerstandlos zu ergeben.
Der Abend ist in zwei Teile gegliedert. Der erste Teil schildert den Abstieg in die Hölle nach der verhängnisvollen Begegnung zwischen Mephistopheles und Faust am Ostersonntag in Goethes Geburtsstadt auf der Tribüne eines Stadions inmitten des Fußballspiels einer lokalen Mannschaft (es ist die Eintracht» aus Frankfurt). Der Beginn von Fausts halluzinogenem «Trip» beginnt mit dem Blutpakt, der hier mit einem Schuss Heroin besiegelt wird, den der Teufel direkt in dessen ...
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Opernwelt Juni 2024
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Stefano Nardelli
Schreckliches ist geschehen, möglicherweise. Was aber wirklich gewesen ist im vornehmen Landsitz Bly, wohin die Governess zur Erziehung der zwei halbwüchsigen Geschwister Miles und Flora kommt und worin sie unbedingt ihr Bestes geben will – das erfahren wir nicht. Nicht in Henry James’ viktorianischer Spuk -novelle aus dem Jahr 1898, noch weniger in Brittens...
Für Richard Wagner war die Sache einfach: «Wahn, Wahn, überall Wahn.» Beim Blick auf die Welt möchte man ihm beinahe zustimmen. Doch ganz so leicht ist es eben letztlich nicht. Es gibt Unterschiede. Feine Unterschiede. Sie betreffen die Wahrnehmung dessen, was mit dem Topos «Welt» beschrieben ist. Diese Welt ist ja nicht nur die Welt für alle und niemanden (wie...
Zwei Begriffe vor allem stehen, gleichsam interaktiv, für den Musikbetrieb: Repertoire und Publikum. Denn was sich durchgesetzt hat, wird auch geliebt, und was beliebt ist, zum Programm. Beiden Tendenzen liegt das Missverständnis zugrunde, das «zeitlos Gültige» setze sich ohnehin durch. Die Wirklichkeit freilich sieht anders aus. Noch vor 100 Jahren galt Schubert...
