Der Welt entrückt
Für Richard Wagner war die Sache einfach: «Wahn, Wahn, überall Wahn.» Beim Blick auf die Welt möchte man ihm beinahe zustimmen. Doch ganz so leicht ist es eben letztlich nicht. Es gibt Unterschiede. Feine Unterschiede. Sie betreffen die Wahrnehmung dessen, was mit dem Topos «Welt» beschrieben ist. Diese Welt ist ja nicht nur die Welt für alle und niemanden (wie Heidegger sagt), sie ist zugleich so unpersönlich, dass es sehr darauf ankommt, wie man sie anschaut.
Während das sogenannte «normale» Subjekt sich den Konta -minationen durch rationale Entscheidungen zumindest in Teilen entziehen kann, sieht sich im psychotischen Wahn die Spannung zwischen den partikulären und den allgemeinen Bedeutungen aufgehoben; an die Stelle der gewöhnlichen tritt die symbolische Ordnung. Die Realität, wie sie erscheint, wird von denjenigen, die diese Spannung nicht mehr spüren, verworfen, an ihre Stelle tritt eine neue Realität.
Die Welt der Oper ist voll von diesen Individuen; und da noch im 19. Jahrhundert 99 Prozent der Werke von Männern geschrieben wurden, darf man sich nicht wundern, dass die meisten dieser «verrückten» Individuen weiblich waren. Was gab es Geeigneteres, um die erhoffte Wirkung ...
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Opernwelt Juni 2024
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 35
von Virginie Germstein
Blicken wir, nur für eine flüchtige Weltsekunde, zurück und denken dabei an jenen hastig hingehackten Satz, den der frisch geadelte Herr von Faninal im zweiten Akt von Strauss’ «Rosenkavalier» singend ausspricht: «Ein ernster Tag, ein großer Tag, ein Ehrentag, ein heil’ger Tag.» Ein solch denkwürdiges Datum ist auch der 27. April 1784. Tout Paris ist auf den...
JUBILARE
Neil Shicoff wurde in New York geboren und studierte an der Juilliard School of Music. Sein Debüt gab der Tenor 1975 in Cincinnati in der Titelrolle von Verdis «Ernani» unter dem Dirigat von James Levine. Ein Jahr später stand er erstmals auf der Bühne der Metropolitan Opera. Engagements an der Mailänder Scala, Londons Royal Opera House, dem Gran Teatre...
Die Bühne ist fast leer. Nur ein Sessel, darin ein Mann in «Arbeitskleidung: Maske, winzige rote Hörner, Trainingsanzug. Der Titelheld. «KathoTV» zeigt unterdessen Bilder eines sterbenden Papstes, der irgendeinem heilbringenden Ritus vorsteht, und unsichtbare Chöre aus himmlischen Phalanxen, Cherubim und Pönitenten singen dem Herrn diverse Loblieder. In der neuen...
