Terra incognita

Visionär, fordernd, radikal anders: Romeo Castellucci ist «Regisseur des Jahres»

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Das Theater ist für ihn das Labor, die Bühne der Seziertisch für unsere Ängste und Gefühle. Romeo Castellucci legt den unmittelbaren Zugang zu unseren intimsten Geheimnissen frei – Geheimnisse, die wir lieber unangetastet wissen wollen. Vertrauen wir uns der Führung Castelluccis an, dann wird sein Theater zum Vorstoß in eine terra incognita, die uns zugleich verzaubert und in Schrecken versetzt.

Prophetischer Visionär, der er ist, erfindet er die Mythologie neu und ist imstande, unseren Blick auf unser eigenes Leben, auf die Spezies Mensch und auf die Gesellschaft radikal zu verändern.

2005 sah ich im Antwerpener Kunstzentrum de Singel – einer Spielstätte, der Castellucci seit vielen Jahren die Treue hält – seine faszinierende «Tragedia endogonidia». Das war mein Erstkontakt mit Castelluccis Werk. Noch stärker sprach mich jedoch sein «Divina commedia»-Projekt an, so dass ich gleich nach meinem Amtsantritt als Brüsseler Opernintendant mit meinem Dramaturgen Christian Longchamp über Romeo Castellucci zu reden begann.

Als ich dann im Sommer 2008 die fesselnde «Parsifal»-Deutung von ­Stefan Herheim in Bayreuth sah, war ich von der Relevanz dieser Produktion für die Wagner-Rezeption, von ...

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Opernwelt Jahrbuch 2014
Rubrik: Bilanz des Jahres, Seite 114
von Peter de Caluwe

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