Tchi tchi, boum boum

Christian Lacroix gibt an der Opéra Rouen mit Offenbachs «La vie parisienne» seinen Einstand als Regisseur

Opernwelt - Logo

Der Argwohn war groß, die Erleichterung noch größer. Fachfremde Berühmtheiten, die Opern zu inszenieren versuchen, fallen meist auf die Nase. Nicht so Christian Lacroix, einst gefeierter Couturier, heute gefragter Kostümbildner für die Bühne. Mit Offenbachs «La vie parisienne» an der Opéra de Rouen Normandie hat der 70-Jährige seinen Regie-Einstand magna cum laude bestanden. Lacroix’ Kostüme zünden erwartungsgemäß ein Feuerwerk an Vielfalt, Fantasie und Farbenfreude.

Sein Bühnenbild, eine Bahnhofshalle, die durch wenige Handgriffe zum bürgerlichen Salon oder zum festlichen Restaurant wird, ist ebenso funktional wie anspielungsreich: Sowohl die im Umbau befindliche Gare Saint-Lazare des ersten Akts als auch das geschmacklich grenzwertige Napoleon-III.-Interieur der Aufzüge drei und vier verweisen klar auf die Entstehungszeit des Werks, das am 31. Oktober 1866 aus der Taufe gehoben wurde.

Vor allem jedoch gibt Lacroix’ Personenführung dem Affen zwar Zucker, verfällt aber nur selten in jenen beifallheischenden Blödelton, der das sogenannte leichte zum seichten Genre entstellt. Gewiss, die halbnackten Muskelmänner (die man in jeder zweiten Inszenierung von Olivier Py findet) und die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Marc Zitzmann

Weitere Beiträge
«Gwaldže brider wos shloft ir?»

Simon Laks wurde am 1. November 1901 in Warschau geboren. Am selben Tag wie der bedeutende Musikwissenschaftler Hans Heinz Stuckenschmidt, der am 1. November 1901 in Strasbourg das noch recht optimistisch leuchtende Licht der Welt erblickte. Stuckenschmidt verbat man bereits 1934 das Schreiben und Publizieren, hatte er sich doch nachhaltig für jüdische Musikerinnen...

Der Kontrollator

Es ist weder die Frauenkirche noch das Maximilianeum, nicht einmal das Dach des benachbarten Nationaltheaters. Wenn Vladimir Jurowski aus seinem Büro schaut , blickt er auf Balkone vor schicken Wohnungen. «Wahrscheinlich wohnt da gar keiner», sagt er schulterzuckend. Anlageobjekte also? Auch diese Aussicht wäre damit typisch münchnerisch.

Wie man sieht, muss sich...

Comic dell'Arte

Den Schlüsselsatz zu dem Stück hat der Autor selbst geschrieben: «Wie können sich Schriftsteller solche Sujets aussuchen? [...] Erstens hat das Vaterland nicht den geringsten Nutzen davon; zweitens – aber auch zweitens ist kein Nutzen dabei …» Herbert Fritsch muss die letzten Worte aus Nikolai Gogols Erzählung «Die Nase» von 1836 geradezu inhaliert haben, als er...