Den Menschen etwas geben durch die Kunst

Zum Tod von Christel Goltz

Opernwelt - Logo

Bis ins hohe Alter hinein ging etwas Königlich-Heroinenhaftes von ihr aus, und doch war Christel Goltz die liebenswerteste und gastfreundlichste Gesprächspartnerin, die man sich denken kann. Immer bereit, aus ihrem künstlerischen wie menschlichen Erfahrungsschatz zu schöpfen, das Resümee einer wunderbaren Karriere weiterzugeben an eine nachfolgende Generation.

Ob sie uns in ihrem urgemütlichen, puppenstubenhaft eingerichteten Heim in Baden bei Wien empfing (nie ohne eine Flasche Sekt und die aus Wien bestellten köstlichen Schnittchen von Trzesniewski), oder ob sie mal kurz nach Dresden flog, um den in ihrem Namen gestifteten Christel-Goltz-Preis für Gesang an einen hoffnungsvollen jungen Kollegen zu überreichen – immer wieder überwältigte sie durch ihre offenbar von keinerlei Altersbeschwerden getrübte ausstrahlende Vitalität, ihre liebevoll-weitherzige Emotionalität, ihren ins Zentrum treffenden, aber nie verletzenden Witz. Jetzt ist sie, obwohl sie immer 100 werden wollte, schon mit 96 Jahren von uns gegangen und wird uns in Erinnerung bleiben als eine der großen Menschendarstellerinnen des vorigen Jahrhunderts.
Ihre Salome, ihre Elektra, ihre Färberin – alle zumindest auf ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2009
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Gerhart Asche

Vergriffen
Weitere Beiträge
Unentschlossen

Regisseurinnen haben ihre eigene Sicht auf Beethovens «Fidelio». Vom nationalen Pathos der «Rettungsoper» lassen sie sich kaum einschüchtern und interessieren sich stark für die Frauen Leonore und Marzelline, deren Identität im patriarchalisch geführten Staatsgefängnis von Sevilla auf eine harte Probe gestellt wird. Amélie Niermeyer, seit zwei Jahren...

Der Rastlose

Zur Oper, die er vor einem Jahr im Gespräch mit «Opernwelt» als «Schwerpunkt» seiner Arbeit bezeichnete (siehe OW 1/2008), hat Richard Hickox erst relativ spät gefunden. Die ersten Impulse seiner musikalischen Sozialisation empfing er nicht auf einem Stehplatz in Covent Garden oder im Coliseum, sondern unter dem Dach der anglikanischen Kirche. Wenn sein Vater,...

Barocker geht's nimmer

Am Abend des 21. Januar 2008 versetzten der Regisseur Benjamin Lazar und der Dirigent Vincent Dumestre die französische Opernszene in einhelligen Begeisterungstaumel. «Ein berauschendes Barockfest», schwärmte «Libération» über die neue Produktion an der Opéra Comique, «ein Spektakel, das man gesehen haben muss», kons­tatierte der «Figaro», und «Le Monde» pries das...