Tanz der Untoten

Verdi: Macbeth Bielefeld / Theater

Als Parabel für moralische und psychische Verwahrlosung durch Machtgier ist «Macbeth» von zeitloser Aktualität. Angesichts der dramatischen Weltlage scheint Verdis Humanismus brisanter denn je. Allerdings gibt es in dieser Oper einige steinharte Regie-Nüsse zu knacken: Was macht man mit den Hexen und ihren chorischen Weissagungen? Wie bebildert man Macbeths Visionen plausibel, wie erklärt sich das schnelle Abdriften der Lady in den Wahnsinn?

Balázs Kovalik verlegt das Geschehen aus dem Mittelalter in eine nicht näher bestimmte Gegenwart.

Hermann Feuchter hat die Bühne durch eine Diagonale verengt, hinten ist unter Scheinwerfern die Brandmauer zu sehen. Die Diagonale ist aber nicht nur eine trist geriffelte schwarze Wand, sondern entpuppt sich rasch als raffinierte Konstruktion, vergleichbar mit dem Magazin einer gigantischen Bibliothek: Je nach Bedarf schieben sich einzelne Bühnenbild-Module heraus und verschwinden (fast) geräuschlos wieder. Zu Beginn, im Hexenbild, fährt eine Art Bordell mit Varieté-Angebot heraus, dann das sparsam möblierte Schlafzimmer des Mörderpaars mit Panzer auf dem Kamin und naiv gemalter Schottland-Idylle an der Wand. Zur Bankettszene werden gleich drei ...

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Opernwelt März 2016
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Regine Müller

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