Irrlichtern im Labyrinth
Berlioz hatte kein Glück mit seinen Opern. «Benvenuto Cellini» wurde an der Pariser Opéra nach nur sieben Aufführungen abgesetzt, «Les Troyens» erst 1968, ein Jahrhundert nach dem Tod des Komponisten, vollständig realisiert. «Béatrice et Bénédict», sein letztes Bühnenwerk, fand 1862 bei der Uraufführung im Kurtheater von Baden-Baden freundliche Zustimmung, aber trotz der Berlioz-Renaissance der letzten Jahrzehnte fristet das Kammerspiel allenfalls ein Mauerblümchen-Dasein im Schatten der (über)mächtigen Antiken-Oper.
Das hat Gründe: Große Oper fällt in postmodernen Zeiten leichter als Komödie. Zudem sind nur wenige musikalische Komödien so brüchig wie Berlioz’ (sehr freie) Bearbeitung von Shakespeares «Viel Lärm um Nichts». Die Liebe, zu der die beiden Titelfiguren gezwungen werden müssen, wird im Stück nicht von ungefähr als «Irrlicht» bezeichnet. Berlioz’ graziöse Musik zieht über die Irrungen und Wirrungen seiner Figuren einen Schleier aus Melancholie. In seiner Komödie stehen die beiden Liebespaare gleichsam neben sich selbst. Immer wieder, so singt es die Titelheldin, ist «das Lachen in Tränen getaucht».
Die 2014 mit dem Studio-Preis der Götz-Friedrich-Stiftung ausgezeichnete ...
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Opernwelt März 2016
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Anselm Gerhard
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