Boulevard solitude

Sylvain Cambreling und die Symphoniker Hamburg spüren den «Einsamkeiten» in Werken von Philippe Boesmans, Arnold Schönberg und Giacinto Scelsi nach

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In seinem gereimten Traktat über die Einsamkeit bespielt Wilhelm Busch virtuos die Bühne sarkastischen Humors – und sucht etwa mit Augenzwinkern zu beglaubigen, dass der Einsame es guthabe, da ihn «in seinem Lustrevier kein Mensch, kein Tier und kein Klavier» störe. Und dass sich, «abgeseh’n vom Steuerzahlen, das Glück nicht schöner malen» ließe. Am anderen Ende der Skala von beißender Ironie zur bitteren Melancholie agiert Gustav Mahlers «Einsamer im Herbst» wie vor schwarzen Vorhängen, wenn er bekennt, er weine viel in seinen Einsamkeiten.

Ja, Einsamkeiten: Plural, wie es auch der Titel des vorliegenden Albums suggeriert. Denn das Wort umfasst viele Schattierungen: das aktive, selbstgewählte Alleinsein (etwa des Eremiten) ebenso wie die passive Vereinsamung des sozial Ausgestoßenen. Alexander Meier-Dörzenbach sucht dies in seinem Booklet-Essay mit einem Schwenk ins Englische zu erläutern, wenn er von «Loneliness» respektive «Solitude» schreibt.

Der dramaturgische Raum dieser CD umgreift all dies und bezieht sich dabei auf die Namen Lord Byron, Napoleon, Georg Trakl sowie jene der Komponisten Arnold Schönberg, Philippe Boesmans und Giacinto Scelsi. Wobei Boesmans mit seinen ...

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Opernwelt Januar 2022
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 32
von Gerhard Persché

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