Szenische Kontrapunktik
Ein Kamin in der Villa Wahnfried, auf dem Sims ein Bild des alten Abbé Liszt, made by Hanfstaengl. Im Fauteuil davor ein smarter Herr im Freizeithemd, entspannt, doch konzentriert seinen Gesprächspartnern lauschend, auf den ersten Blick eher Technokrat denn Künstler. Es ist ein Foto anlässlich des berühmten «Spiegel»-Interviews aus dem Jahre 1967, in dem Pierre Boulez sein Unbehagen am Zustand des zeitgenössischen Musiktheaters zum legendären Imperativ «Sprengt die Opernhäuser in die Luft» schärfte.
Vierzig Jahre später stehen die Häuser noch, und Boulez selbst steht im Graben eines der ältesten existierenden, des Theaters an der Wien. Die gelegentlichen Handkantenschläge, mit denen der nunmehr 82-Jährige die Luft zerteilt, gelten nicht dem Phänomen Oper, sondern sind schlagkräftige Argumente für die Musik zu «Aus einem Totenhaus» – für Leos Janáceks vielleicht beste, sicherlich visionärste Partitur. Boulez hat sein Argument von 1967, nach Bergs «Wozzeck» und «Lulu» sei «keine diskutable Oper mehr komponiert worden», im Übrigen nie zurückgenommen. Doch Janáceks «Totenhaus», von dessen «primitiver Kraft» er so beeindruckt ist, klingt unter seinen Händen, mit dem brillanten ...
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Gaetano Donizetti hielt den 1843 für die Pariser Opéra geschriebenen «Dom Sébastien» für sein «lavoro capitale» und war sehr enttäuscht, dass die Mehrzahl der Kritiker diese Auffassung nicht teilte. Später erarbeitete er für Aufführungen in Wien eine italienische Version der Oper, nach seinem Tode gab es noch diverse Produktionen in verstümmelten oder willkürlich...
Aberglaube hat etwas für sich: Alexander von Zemlinsky, so schreibt sein Biograf Antony Beaumont, wählte für die Oper «Der Traumgörge» bewusst einen Titel mit dreizehn Buchstaben, um die Furcht seiner Kollegen vor dieser Zahl zu karikieren. Noch Arnold Schönberg – Zemlinskys Freund, Schwager und Schüler – nahm Aaron einen Buchstaben, um bei «Moses und Aron» auf...
Herr Flimm, als Ihr Freund Gerhard Schröder im Herbst 1998 Helmut Kohl als Bundeskanzler ablöste, verkündete er, er wolle nicht alles anders machen, aber vieles besser. Im Oktober vergangenen Jahres haben Sie die Intendanz der Salzburger Festspiele von Peter Ruzicka übernommen. Was muss sich ändern, was wollen Sie besser machen?
Ich würde nie sagen, dass ich etwas...
