Suppe im Aquarium
Die Stube ist grell erleuchtet, Senta lümmelt auf dem Boden und glotzt Seefahrer-Videos. Hinter ihr steht eine lebensgroße Pappfigur, ein junger Mann mit Engelsflügeln und Elvis-Tolle: Der fliegende Holländer als Star-Schnitt im Jugendzimmer. Mit guten Ideen wie dieser holt Regisseurin Julia Huebner einen 170 Jahre alten Opernstoff kindgerecht ins Heute. Zum achten Mal haben die Bayreuther Festspiele eine Wagner-Oper für junges Publikum aufbereitet, wieder ist eine Produktion entstanden, die vor allem musikalisch überzeugt (besuchte Vorstellung am 26. Juli 2016).
Esther Dandani entwarf dafür eine zweigeteilte Bühne mit weißer Stube und düsterem Hafen, Huebner füllt sie mit charmanten Details: Vom brummenden Rädchen singt Mary während einer Fahrradreparatur, der Steuermann verheddert sich im Tau, Senta entsorgt Suppe im Aquarium. Kurzweilig gerät diese Mischung, Kinderaugen haben viel zu entdecken.
Dazu musiziert bewährtes Personal auf hohem Niveau. Vor allem Kay Stiefermann wirft sich mit Ausdruck und hell gefärbtem Bariton in die Holländer-Rolle, Christiane Kohls metallischer Sopran lässt Sentas Arien dramatisch strahlen. Das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt zeigt ...
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Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Eva Kröner
Früher konnten sich die Fans sicher sein. Mindestens ein-, am besten zweimal Barock pro Saison, das war eine feste Bank im Spielplan der Bayerischen Staatsoper. Der Riesen-Dino von Richard Jones, heute schon fast eine Münchner Tierlegende wie der Rauhaardackel, machte anno 1995 für Händels «Giulio Cesare» den Auftakt. Aus Renaissance wurde Überfütterung,...
Seit 1945 spielt hier allsommerlich die Musik. Auf einem prachtvollen Landsitz, etwa 80 Kilometer nördlich von New York City. Damals luden die Eigentümer des Anwesens, der aus Berlin emigrierte Walter Rosen und seine Frau Lucy Bigelow (die übrigens einen Narren am Theremin gefressen hatte), erstmals zum Festival. Ein Musikzimmer und ein Hof in spanischer Anmutung...
«Die Sitze sind eng, hölzern hart und bemerkenswert unbequem», urteilte der Reiseschriftsteller Horst Krüger 1987 über den «Arbeitsplatz» der Zuschauer im Bayreuther Festspielhaus. Es muss also schon etwas mit den Inhalten zu tun haben, wenn das Publikum nach einer rund sechsstündigen Aufführung emphatisch einen Künstler bejubelt. Und natürlich dessen Leistung. So...
