Süchtig nach Klängen

Fast hundert Inszenierungen hat er seit 1990 erarbeitet. Gerade bereitet Claus Guth sein Debüt in Glyndebourne vor: Mozarts «Titus». Mit Unsuk Chin plant er ein neues «Alice»-Stück, mit Michael Jarrell eine «Berenice»-Oper. Und 2021 steht die erste Regie an der New Yorker Met an

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Fast hundert Inszenierungen hat er seit 1990 erarbeitet. Von Wien und Salzburg bis Mailand, von Hamburg, Berlin und Paris bis London gehört der gebürtige Frankfurter zu den gefragtesten Regisseuren seiner Generation. Gerade bereitet Claus Guth sein Debüt in Glyndebourne vor: Mozarts «Titus». Mit Unsuk Chin plant er ein neues «Alice»-Stück, mit Michael Jarrell eine «Berenice»-Oper. 2021 steht die erste Regie an der New Yorker Met an. Doch die Zeiten, als der 53-Jährige fünf Produktionen pro Saison stemmte, sind vorbei. Auch weil der Körper streikte.

Was treibt diesen manischen Beobachter menschlicher Beziehungen, der in subtilen Bildern immer wieder den Einbruch des Unberechenbaren in scheinbar wohlgeordnete Bürgerwelten thematisiert?

Herr Guth, Michael Haneke hat einmal gesagt, dass er mit jedem seiner Filme die eigenen Ängste, Obsessionen und Neurosen abarbeite. Letztlich machten das alle Künstler. Kommt Ihnen das bekannt vor?
Ja. Da ist was dran. Aber wenn Haneke mit der Kamera in Abgründe schaut, ist natürlich jedes Bild, jeder Ton, jeder Satz genau kalkuliert. Man spürt, dass er seine Stoffe, seine Geschichten sehr bewusst, sehr reflektiert entwickelt und inszeniert. Mir stoßen ...

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Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Interview, Seite 30
von Albrecht Thiemann

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