Im Zeichen der Routine
Die Entdeckungsreisen, zu denen der Palazzetto Bru Zane in reger Folge einlädt, sind hochwillkommenes Gegengewicht zur Routine des Repertoires. Nun eine Oper von Saint-Saëns aus dem Jahre 1887: «Proserpine» (in der zweiten Fassung von 1899). Das 1838 verfasste experimentelle Drama eines Hugo-Nachahmers hat in der Bearbeitung als Oper freilich viel von seiner Schärfe verloren. Dort ist kaum noch zu erkennen, wie das in der italienischen Renaissance imaginierte Experiment eines Zynikers grausig scheitern kann.
Renzo will Sabatino nur dann seine Schwester ehelichen lassen, wenn jener vorher nochmals seine Verführungskünste an Proserpine ausprobiert. Der Bruder Angiolas (nomen est omen!) hatte nicht damit gerechnet, dass sich die Kurtisane in seinen zukünftigen Schwager verlieben könnte – zum schlechten Ende ermordet die eifersüchtige Hetäre das engelsgleiche Mädchen und wird von Sabatino getötet. So reimt sich im letzten Verspaar «tuée» («getötet») auf «prostituée». Das war zu starker Tobak für das Publikum der Opéra-Comique: Dort endete Proserpine im Selbstmord, um das «Eheglück» nicht zu verderben.
Die farbenreiche Musik wird der desillusionierten Darstellung von Lebemännern ...
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Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 27
von Anselm Gerhard
Sir Jeffrey Tate wurde 1943 im englischen Salisbury geboren. In seinem ersten Leben studierte er in Cambridge Medizin und wurde Facharzt für Augenheilkunde. Trotz einer schweren angeborenen Behinderung entschloss er sich danach noch zu einem umfassenden Musikstudium und wurde Dirigent. Die körperlichen Voraussetzungen für eine Karriere als Pultstar schienen...
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