Im Zeichen der Routine
Die Entdeckungsreisen, zu denen der Palazzetto Bru Zane in reger Folge einlädt, sind hochwillkommenes Gegengewicht zur Routine des Repertoires. Nun eine Oper von Saint-Saëns aus dem Jahre 1887: «Proserpine» (in der zweiten Fassung von 1899). Das 1838 verfasste experimentelle Drama eines Hugo-Nachahmers hat in der Bearbeitung als Oper freilich viel von seiner Schärfe verloren. Dort ist kaum noch zu erkennen, wie das in der italienischen Renaissance imaginierte Experiment eines Zynikers grausig scheitern kann.
Renzo will Sabatino nur dann seine Schwester ehelichen lassen, wenn jener vorher nochmals seine Verführungskünste an Proserpine ausprobiert. Der Bruder Angiolas (nomen est omen!) hatte nicht damit gerechnet, dass sich die Kurtisane in seinen zukünftigen Schwager verlieben könnte – zum schlechten Ende ermordet die eifersüchtige Hetäre das engelsgleiche Mädchen und wird von Sabatino getötet. So reimt sich im letzten Verspaar «tuée» («getötet») auf «prostituée». Das war zu starker Tobak für das Publikum der Opéra-Comique: Dort endete Proserpine im Selbstmord, um das «Eheglück» nicht zu verderben.
Die farbenreiche Musik wird der desillusionierten Darstellung von Lebemännern ...
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Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 27
von Anselm Gerhard
Fast hundert Inszenierungen hat er seit 1990 erarbeitet. Von Wien und Salzburg bis Mailand, von Hamburg, Berlin und Paris bis London gehört der gebürtige Frankfurter zu den gefragtesten Regisseuren seiner Generation. Gerade bereitet Claus Guth sein Debüt in Glyndebourne vor: Mozarts «Titus». Mit Unsuk Chin plant er ein neues «Alice»-Stück, mit Michael Jarrell eine...
Am Anfang die Gewissheit. Es wird kein gutes Ende geben. Schon während der Ouvertüre, noch bevor der erste Ton gesungen ist, steht Marie vor dem abgetrennten Kopf ihres Geliebten Cinq-Mars. Doch das ist die Zukunft im Jahre 1642. Das unausweichliche Ende des Stücks. Die Liebe wird zum Opfer der Macht.
Charles Gounods «Der Rebell des Königs», uraufgeführt 1877 in...
Wenn das Land nach Dauerregen vom Sommer erfasst wird, treiben Englands Gärten aus wie kleine Tropenwälder. Saftig leuchtet Glyndebournes gestreifter Rasen. Jenseits des Ha-Has üben halbwüchsige Lämmer Bocksprünge, während im Kamin des Organ Rooms die Tauben gurren: Der Landsitz der Christies zeigt sich für Cavallis «Hipermestra» von seiner schönsten Seite.
Zwisch...
