Bluthochzeit: Kate Lindsey (Miranda), Ensemble; Foto: Theater/Pierre Grosbois
Sturmhoch, Sturmtief
Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust – kaum je zuvor schien Fausts elegisches Diktum so zutreffend wie nach der «Miranda»-Premiere an der Opéra Comique. «Miranda»? Sucht man in Opernführern nach diesem Titel, wird man nicht fündig – welch Wunder, handelt es sich doch um eine Art «Pasticcio» nach Henry Purcell, ersonnen von Dirigent Raphaël Pichon, Regisseurin Katie Mitchell und Librettistin Cordelia Lynn. Pichon und Mitchell arbeiteten schon einmal bei einem ähnlichen Projekt zusammen, 2014 in Aix-en-Provence.
In «Trauernacht» setzten sie Bachkantaten szenisch um; als Leitfaden diente eine Familientrauerfeier.
Diesmal kombinierte der französische Dirigent mit großem Geschick wenig bekannte Bühnen- und Kirchenwerke Purcells; diese bildeten den Rahmen einer von Mitchell und Lynn entwickelten Geschichte. Musikalisch war’s eine Sternstunde. Nie wirkt das Konstrukt als reine Collage: Rezitative, Arien, Chöre, Orchesterzwischenspiele fließen nahtlos ineinander. Als erstklassige Interpreten erweisen sich dabei das Ensemble Pygmalion und dessen Chor, in Sachen Klangschönheit, Intonationssicherheit und Ausdruckskraft. Kurz und gut: ein Hörgenuss.
Betrüblicherweise besitzt der Abend ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Mimì und Musetta in Schnürstiefeln der Belle Epoque, die Hungerkünstler in einer Mansarde à la Paris um 1830 – das war ein echter Langzeitrenner an Covent Garden: 41 Jahre lief John Copleys deutungsfrei plüschige «Bohème»-Inszenierung im Royal Opera House zu London; auf 25 Revivals hatte die Produktion es gebracht, als sie 2015 ausgemustert wurde. Für die letzte,...
Die Dramaturgie der Macht, die sich Markus Hinterhäuser für den Neustart der Salzburger Festspiele ausgedacht hat, lebt von einem Doppelsinn. Was als Strategie des Programms vielleicht doch etwas unverbindlich daherkommt, fesselt im Detail der ausgewählten Stücke umso mehr. Denn selbstverständlich folgt die Macht ihrer eigenen Dramaturgie. Für das, was Macht mit...
Neues Team, neuer Schwung. Zum Auftakt seiner Intendanz in Saarbrücken nahm sich Bodo Busse eines Meisterwerkes an, das mit den drei Reitergalopp-Minuten seines Geschwindmarsch-Ouvertürenschlusses unsäglich populär ist, während die restlichen dreieinhalb Stunden kaum mehr bekannt sind. Aufführungen dieses für Halévy, Meyerbeer und den jungen Wagner wegweisenden...
