Heimatlos: Britta Stallmeister (Stückeschreiberin), Ensemble; Foto: Karl & Monika Forster
Flüchtlingsoratorium
Mit einem Kompositionsauftrag an den dänisch-deutschen Komponisten Søren Nils Eichberg und die Librettistin Therese Schmidt gelang der Wiesbadener Oper und ihrem Intendanten Uwe Eric Laufenberg ein bemerkenswerter Theaterabend. Der Titel «Schönerland» erinnert natürlich an das populär-sentimentale deutsche Lied «Kein schöner Land in dieser Zeit», das hier gegen Schluss des 95-minütigen Werks als ironisch-utopische, musikalisch angeschrägte Reverenz aufklingt.
«Schönerland» ist denn auch die Metapher für einen Sehnsuchts- und Hoffnungsort im Bewusstsein all der Unbehausten und Entwurzelten, die sich unter Entbehrungen und Lebensgefahr aufmachen, um einen den elementaren Menschenbedürfnissen gerechten Lebensraum zu finden.
In dem klugen Text von Therese Schmidt oszilliert «Schönerland» auch zwischen der Erinnerung an verlorene Heimat (ihre Düfte, der Geschmack ihrer Früchte und Gewürze) und der bang abgedunkelten Erwartung neuer, unbekannter Ankunftsländer. Der Reiz dieser Oper besteht nicht zuletzt in ihrer Formgestalt als gleichsam neo-expressionistisches Oratorium, in das rudimentäre Handlungssegmente eingewoben werden – kurze Erzählungen der Menschen unterwegs, die dramatischen ...
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