Heimatlos: Britta Stallmeister (Stückeschreiberin), Ensemble; Foto: Karl & Monika Forster
Flüchtlingsoratorium
Mit einem Kompositionsauftrag an den dänisch-deutschen Komponisten Søren Nils Eichberg und die Librettistin Therese Schmidt gelang der Wiesbadener Oper und ihrem Intendanten Uwe Eric Laufenberg ein bemerkenswerter Theaterabend. Der Titel «Schönerland» erinnert natürlich an das populär-sentimentale deutsche Lied «Kein schöner Land in dieser Zeit», das hier gegen Schluss des 95-minütigen Werks als ironisch-utopische, musikalisch angeschrägte Reverenz aufklingt.
«Schönerland» ist denn auch die Metapher für einen Sehnsuchts- und Hoffnungsort im Bewusstsein all der Unbehausten und Entwurzelten, die sich unter Entbehrungen und Lebensgefahr aufmachen, um einen den elementaren Menschenbedürfnissen gerechten Lebensraum zu finden.
In dem klugen Text von Therese Schmidt oszilliert «Schönerland» auch zwischen der Erinnerung an verlorene Heimat (ihre Düfte, der Geschmack ihrer Früchte und Gewürze) und der bang abgedunkelten Erwartung neuer, unbekannter Ankunftsländer. Der Reiz dieser Oper besteht nicht zuletzt in ihrer Formgestalt als gleichsam neo-expressionistisches Oratorium, in das rudimentäre Handlungssegmente eingewoben werden – kurze Erzählungen der Menschen unterwegs, die dramatischen ...
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Selbst Richard Wagner ist inzwischen nicht mehr sicher vor der Dekonstruktion. Was lange schon im Sprechtheater Alltag ist, in der Oper aber lange tabu war, hält nun auch dort Einzug – demnächst etwa schraubt Tatjana Gürbaca im Theater an der Wien Wagners «Ring» neu zusammen. In Wuppertal wurde jetzt der dritte Akt der «Götterdämmerung» mit Teilen von Heiner...
ML = Musikalische Leitung
I = Inszenierung
B = Bühnenbild
K = Kostüme
C = Chor
S = Solisten
P = Premiere
UA = Uraufführung
WA = Wiederaufnahme
Deutschland
Aachen
Theater Aachen
Tel. 0241/478 42 44
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– Janáček, Katja Kabanowa: 12. (P), 19., 26.; 14. 12.
ML: Thorau, I: Torell, B: Vinciguerra
– L’incoronazione di Poppea: 17.
Altenbur...
Opernhäuser zeigen Märchen und Legenden, aber sie fabrizieren sie auch. Nur selten gelingt es, dogmatisch verfestigte, eindimensionale Deutungsmuster aufzulösen. Misha Aster hat es jetzt geschafft. Nach zehnjähriger Wühlarbeit in Archiven legt er einen Band vor, der nicht nur akribisch recherchiert ist, sondern auch unterhaltsam, ja beinahe spannend – und das Gros...
