Strauss: Salome
Von ihrer Dramaturgie her kann der «Salome»-Neuinszenierung des Mannheimer Nationaltheaters ohne weiteres zugestimmt werden. Gabriele Rech überfrachtet die Vorlage nicht durch weit hergeholte Assoziationen. Zentraler Ansatzpunkt: Die Titelfigur ist kein sexbesessenes männermordendes Ungeheuer. Im Text ist bekanntlich keine Rede vom sadistischen Monster, und die leidenschaftlichen Akzente und subtil irisierenden Zwischentöne in Strauss‘ Salome-Musik wecken ohnehin andere Vorstellungen.
Rechs Salome ist Opfer einer dekadenten Gesellschaft, an deren Gleichgültigkeit sie leidet, Opfer ihrer lüsternen Mutter, einer skrupellosen Machtpolitikerin, und vor allem ihres Stiefvaters, eines in Angst lebenden Neurotikers und geilen Despoten, der sie seit ihrer Kindheit unaufhörlich belästigt. Rech verzichtet auf den Tanz der sieben Schleier. Stattdessen betritt ein kleines Mädchen in Brautkleid (das Kind Salome) die Bühne; Herodes nimmt es auf den Schoß und vergreift sich an ihm. Salome will ausbrechen aus dieser Umgebung, sehnt sich nach Liebe, hofft auf Erfüllung bei Jochanaan. Dieser vermag aber mit ihrer zügellosen, verzweifelten Erotik nicht umzugehen, und sie begreift seine religiöse ...
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