Strahlkraft aus Leidensdruck
Spricht man von Nordamerika, so meint man nicht selten fast reflexhaft die Vereinigten Staaten, denkt aber kaum an das flächenmäßig vergleichbare Kanada, das, anglophon und frankophon, zum Commonwealth gehört. Immer noch ziert die Queen die Geldscheine – und das Wort «Royal» manche Institution. Entsprechend sind die Beziehungen zwischen US-Amerikanern und Kanadiern zwar höflich und freundlich, nicht immer aber besonders herzlich.
So wundert es auch nicht, dass sogar unter den bedeutenden Musikern Kanadas ein etwas anderer Typus reüssierte als beim großen südlichen Nachbarn. Drei Beispiele: Der Bassbariton George London besaß für viele in der Verbindung von Stimm- und Ausdruckskraft und im Blick auf seine charismatische Expressivität auf der Bühne singulären Rang. Erst recht stand der Pianist Glenn Gould für den öffentlichkeitsscheuen Anti-Glamour-Star, ganz abgesehen von seiner Fixierung auf Bach und die Schönberg-Schule. Ebenso wenig entsprach der Tenor Jon Vickers dem gängigen Bild, gar Klischee des Star-Sängers, narzisstisch auf seine schöne, große Stimme und den Glanz seiner Spitzentöne konzentriert. Dabei hatte er in seiner puren tenoralen Force unter den Sängern nach 1960 ...
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Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: Magazin, Seite 94
von Gerhard R. Koch
Aus Böhmens Hain und Fluren ist in Hannover ein eher abstrakter Ort geworden. Ausstatterin Dieuweke van Reij hat als Bühnenrahmen für Janáceks «Jenufa» die Umrisse eines Hauses zimmern lassen. Im Hintergrund eine stilisierte Hügellandschaft. Requisiten lassen auf Landlust (und Landfrust) schließen: Melkschemel, Zinkwanne, eine Wand von Getreidesäcken.
Weil...
Herr Kobéra, wofür stand ursprünglich das «neu» im Titel? Für die Musik? Oder die Szene?
Zunächst für Letzteres. Ausgangspunkt war 1990 eine Aufführung von Mozarts «Idomeneo» als Kontrapunkt zur damals laufenden Johannes-Schaaf-Inszenierung der Staatsoper. «Neu» meinte neue, aktuelle Herangehensweisen ans Musiktheater; im «Idomeneo» ging es um «Atomkraft – ja oder...
ARD-ALPHA
6.9. – 20.15 Uhr (1)
18.10. – 20.15 Uhr (2)
Klassik am Odeonsplatz.
1. 2013. Musikalische Leitung: Yannick Nézet-Séguin. Solisten: Rolando Villazón und Thomas Hampson. Werke von Wagner und Verdi. 2. 2015. Musikalische Leitung: Pablo Heras-Casado. Werke von de Falla, Prokofjew, Debussy und Ravel.
13.9. – 11.00 Uhr
Mariss Jansons dirigiert
Strauss: Ein...
