Strahlende Einfälle
Endlich einmal dürfen die Musikkritiker ihren Arbeitsauftrag als Geigerzähler beim Wort nehmen, denn in dieser Opernnovität geht es – vordergründig? – um Atomstrahlung und andere Verheerungen. Wenn John Adams in Sachen J. Robert Oppenheimer zum Komponiergriffel greift (oder zum Computer-Keyboard), dann schlagen diesmal Physikerherzen höher, denn hier kommt zum Quartensprung der Quantensprung und zum Dreiklang der Dreisatz. Beherrscht sonst eher die Metaphysik die Opernbühne, so sind diesmal die Ingenieure des Weltenbaus die Helden. Im Opernhaus von San Francisco erweist sich «Dr.
Atomic» (alias J. Robert Oppenheimer) zwar als erfolgsorientierter Technokrat, der vor allem seinen Auftrag erfüllen und alle Verantwortung den Entscheidungsträgern in der Politik überlassen will.
Doch so ganz zum technologischen Erfüllungsgehilfen mag Peter Sellars, der Mitinitiator, Librettist und Uraufführungsregisseur dieser Oper, den Titelhelden dann doch nicht machen. Also schreibt er Oppenheimer in seinem Libretto, das er aus denkbar heterogenen Quellen zusammengefügt hat, einen großen Monolog, in dem der Physiker mit Zitaten aus dem «Holy Sonnet XIV» des Dichters John Donne in d-moll mit sich und ...
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Unter den deutschsprachigen Opernhäusern kommt Stuttgart seit den 1950er Jahren eine besondere Stellung zu. Walter Erich Schäfer, Generalintendant von 1950 bis 1972 und in all diesen Jahren sein eigener Operndirektor, hat das Haus am Eckensee früh zu einem Kristallisationspunkt des modernen Regietheaters gemacht – lange bevor es diesen Begriff überhaupt gab....
Kunst komme nicht von Können, sondern von Müssen, meinte Arnold Schönberg. Die diesjährigen Ergebnisse unserer Kritiker-Umfrage zeigen noch etwas anderes: Kunst kommt von Kontinuität. Zumindest in der Oper. Dort kann Kontinuität viele Bereiche betreffen. Der schwerfällige Apparat eines Opernhauses braucht Zeit, sich auf bestimmte Leitlinien einzustellen, seien sie...
Ich scheine dafür prädestiniert zu sein, Opern zu schreiben, die nie aufgeführt werden.» Diesen Stoßseufzer seines Librettisten Johan Henrik Kellgren, der haarscharf voraussagte, was mehr als zweihundert Jahre danach noch immer Gültigkeit besitzt, hätte auch der Komponist Joseph Martin Kraus selbst äußern können. Immerhin ist das Mozart-Mega-Jahr 2006 zu einem...
