Lustvolle Verschwörung

Lustvolle Verschwörung: René Jacobs entdeckt Mozarts «Titus» neu

Opernwelt - Logo

Titus kehrt zurück. Keine Oper hatte in Mozarts Jubeljahr 2006 einen so rauschhaften Wiederauftritt wie seine letzte: «La clemenza di Tito». An der bislang überschaubaren Diskografie lag’s wohl auch. Seit früheren Aufnahmen wie denen von István Kertész und Colin Davis (und trotz der späteren von Harnoncourt und Gardiner) schien es, als sei das Werk von der historischen Aufführungspraxis noch nicht wirklich entdeckt.


Im Mozart-Jahr gab es (neben diversen «Titus»-DVDs) gleich drei neue Gesamtaufnahmen – zumeist für Spitzen-Mezzos wie Vesselina Kasarova (unter dem unspezifischen Pinchas Steinberg, Sony) und Magdalena Kozená (mit einem müde wirkenden Charles Mackerras, Deutsche Grammophon). Überraschung: Die Krone gebührt eindeutig der Aufnahme mit dem geringsten Star-Auftrieb. Dirigent René Jacobs hat mit dem «Titus» nicht nur seinen fulminanten Mozart-Zyklus bei Harmonia Mundi um ­einen Glanzstein bereichert. Er definiert die Lust an der Seria völlig neu.
Frei vom Formeleinerlei, ohne dürren Aufmarsch der Hofchargen oder steifes Gefühlszeremoniell erscheint «Titus» fast als antikische Tragödie im Komödien-Treppenhaus. Ausgerechnet Mozarts in achtzehn Tagen hin­gefetzter, ungeliebter ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2006
Rubrik: Bilanz, Seite 116
von Kai Luehrs-Kaiser

Vergriffen
Weitere Beiträge
Und am Ende singt er doch

Der Dialog findet sich bei Peter Handke, in dem Drama «Die Unvernünf­tigen sterben aus», 1973 geschrieben, unverständlicherweise nicht gerade häufig gespielt. Wunderbare Sprache, als Metapher über den Zustand der bürgerlich-kapitalis­tischer Gesellschaft nahezu un­übertroffen. Ein Gespräch zwischen dem zynischen Unternehmer Hermann Quitt und seiner Freundin Paula...

Kunst der Kontinuität oder: Was bleibt von 2005/2006?

Kunst komme nicht von Können, sondern von Müssen, meinte Arnold Schönberg. Die diesjährigen Ergebnisse unserer Kritiker-Umfrage zeigen noch etwas anderes: Kunst kommt von Kontinuität. Zumindest in der Oper. Dort kann Kontinuität ­viele Bereiche betreffen. Der schwerfällige Apparat eines Opernhauses braucht Zeit, sich auf bestimmte Leitlinien einzustellen, seien sie...

«Ich bin nun mal kein Festspielmensch»

Lassen Sie uns mit einer persönlichen Frage beginnen: Sie sind dreizehn Spielzeiten lang Chef der Bayerischen Staatsoper in München gewesen, Sie sind von Queen Elizabeth II. zum Knight of the British Empire geschlagen worden. Welche Anrede gefällt Ihnen am bes­ten? Herr Staats­intendant? Sir? Mister Jonas?
Das mit dem Staatsintendanten habe ich sofort nach meinem...