Stimmglanz statt Seelenkitsch
Als die Nazis Richard Tauber aus Deutschland vertrieben hatten, standen da schon zahlreiche Tenöre in den Startlöchern, seine Nachfolge als Operettenkönig anzutreten. Interessanterweise versuchten alle – voran Herbert Ernst Groh, Marcel Wittrisch, Karl Friedrich –, seinen Vortragsstil nachzuahmen. Die Tauber-Träne begegnet uns in den Aufnahmen der dreißiger und frühen vierziger Jahre in den verschiedensten Varianten.
Die Firma Telefunken versuchte bereits ein Jahr nach Hitlers Machtergreifung, mit dem erst sechsundzwanzigjährigen Peter Anders einen Nachfolger und zugleich Gegentyp zu Tauber aufzubauen.
Auch er kann sich von dem Vorbild nicht ganz frei machen, färbt die Stimme oft ohne zwingenden Grund nasal ein, trumpft aber ansonsten mit seiner jungenhaften Unbekümmertheit und einer glänzenden Höhe auf. Er war damals noch ein rein lyrischer Sänger, dessen Möglichkeiten im Zwischenfach aber schon erkennbar waren. Als Interpret hat er noch nicht allzu viele Facetten, ein heiter-optimistischer Grundduktus prägt alle einundzwanzig Telefunken-Titel aus den Jahren 1934 bis 1940, die von dem Schweizer Label Relief neu zusammengestellt wurden, doch gerade das Fehlen elegischer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Noch vor vierzig Jahren hätte sich kein Opernfreund vorstellen können, dass eine Produktion von Lortzings «Undine» einmal unter die Rubrik «Ausgrabung» fallen würde. Aber inzwischen ist das einst so beliebte Werk derart gründlich von der Opernbühne verschwunden, dass man für das vergangene Jahrzehnt nicht einmal auf fünf Aufführungen an deutschen Theatern kommt....
Niemand wird widersprechen: Der neue «Figaro» an Covent Garden sieht so gut aus, wie er klingt. Die Verwandlungen sind atemberaubend geschickt, das Dirigat ist elegant, die Besetzung gut. Jeder scheint zufrieden nach Hause zu gehen, oder? Nicht ganz. Denn es gibt ein Loch im Herzen dieses Abends, eine Kluft zwischen Ideen und psychologischem Verständnis. Szenischer...
Für die Liebe sterben – das darf man in der Oper ja fast immer wörtlich nehmen. In Minoru Mikis neuester, fürs und im New National Theatre in Tokio entstandenen Oper ist das nicht anders: «AI-EN» trägt den Liebestod bereits im Titel, Miki erzählt darin zusammen mit seiner Librettistin Jakucho Setouchi die Geschichte einer geheimen Melodie – und, klar doch, einer...
