Stimmglanz statt Seelenkitsch

Operettenaufnahmen mit Peter ­Anders bei Relief und Polydor

Opernwelt - Logo

Als die Nazis Richard Tauber aus Deutschland vertrieben hatten, standen da schon zahlreiche Tenöre in den Startlöchern, seine Nachfolge als Operettenkönig anzutreten. Interessanterweise versuchten alle – voran Herbert Ernst Groh, Marcel Wittrisch, Karl Friedrich –, seinen Vortragsstil nachzuahmen. Die Tauber-Träne begegnet uns in den Aufnahmen der dreißiger und frühen vierziger Jahre in den verschiedensten Varianten.

Die Firma Telefunken versuchte bereits ein Jahr nach Hitlers Machtergreifung, mit dem erst sechsundzwanzigjährigen Peter Anders einen Nachfolger und zugleich Gegentyp zu Tauber aufzubauen.
Auch er kann sich von dem Vorbild nicht ganz frei machen, färbt die Stimme oft ohne zwingenden Grund nasal ein, trumpft aber ansonsten mit seiner jungenhaften Unbe­kümmertheit und einer glänzenden Höhe auf. Er war damals noch ein rein lyrischer Sänger, dessen Möglichkeiten im Zwischenfach aber schon erkennbar waren. Als Interpret hat er noch nicht allzu viele Facetten, ein heiter-optimistischer Grundduktus prägt alle einundzwanzig Telefunken-Titel aus den Jahren 1934 bis 1940, die von dem Schweizer Label Relief neu zusammengestellt wurden, doch gerade das Fehlen elegischer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2006
Rubrik: CDs, Seite 65
von Ekkehard Pluta

Vergriffen
Weitere Beiträge
Genutzte Chance

Seit 1987 der Zuschauerraum des Jenaer Stadttheaters abgerissen wurde und sich die damaligen Kulturfunktionäre der trügerischen Hoffnung auf einen Theaterneubau hingaben, muss Jenas Publikum auf Musiktheater in der eigenen Stadt weitgehend verzichten. Bruno Scharnberg, seit 2003 Intendant der Jenaer Philharmonie, plante bereits im ersten Jahr seines Wirkens die...

Zemlinsky: Der Kreidekreis

Als Zemlinsky seine Opernversion des Klabund’schen «Kreidekreises» 1933 in Zürich herausbrachte, fiel das Urteil der Zeitgenossen kontrovers aus. Des Komponisten «aparte Koloristen»-Sprache wurde zwar gerühmt, doch andere Stimmen warfen ihm Selbstverleugnung vor. Er habe sich stilistisch als Eklektiker demontiert. Und heute? In Bielefeld entdeckt man – dank Peter...

Masken und Musik

Carlo Gozzi macht es heutigen Lesern nicht gerade leicht, ihn zu mögen: Er war nicht nur stockkonservativ, er wusste auch alles besser. Neuerungen waren ihm suspekt: Die italienische Literatur (so schreibt er in seinen Memoiren, denen er den koketten Titel «Unnütze Erinnerungen» gibt) «wurde durch verdrehte, ehrgeizige Fanatiker, die heutzutage um jeden Preis für...