Wie Barocktheater aussehen kann

Molière-Lullys «Bürger als Edelmann» in historisierender Inszenierung auf DVD

Opernwelt - Logo

Die Beschäftigung mit historischen Formen der Aufführungspraxis ist seit zweihundert Jahren Gegenstand zunächst der Theatergeschichtsschreibung und Theaterwissenschaft wie gleichzeitig ihrer musikalischen Pendants. Anders als ihren von Noten lebenden Schwestern fehlten der Theaterpraxis aber ein Gustav Leonhardt und Nikolaus Harnoncourt, die die Theorie allen Unkenrufen und allem Spott zum Trotz konsequent in die Praxis umsetzten. In der Musik hat sich die Historische Aufführungspraxis mittlerweile durchgesetzt und zwingt heute sogar Mainstream-Musiker umzudenken.

Die Historische Aufführungspraxis des Theaters macht dagegen gerade jene Kinderkrankheiten durch, an denen die der Musik in den fünf­ziger Jahren laborierte: Sie ist ein von der Mehrheit belächeltes Nischen­produkt, eine skurrile Marotte einiger Eigenbrötler, die linkisch versuchen, vollkommen fremde Arten des Gehens, Sprechens, Ges­tikulierens auf bekannte Texte anzuwenden.
Der Pariser Theorbist Vincent Dumestre, Leiter des warmtönenden Barock-Ensembles Le Poème Harmonique, betont denn auch, dass es in seiner teilweise fulminanten, in vielem aber auch hölzernen Annäherung an die barocke Theaterpraxis der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2006
Rubrik: DVDs, Seite 64
von Boris Kehrmann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Historische Lektion

Mit einer Vorstellungsdauer von über vier Stunden ist «Lotario», Hauptattraktion der 29. Händel-Festspiele, selbst für eingefuchste Händel-Fans ein ziemlich harter Brocken. Wie offenbar auch schon im Urauffüh­rungs­jahr 1729 in London. Nummer sechsundzwanzig (von insgesamt fünfundvierzig) der Opern Händels, stellt das Dramma per musica in tre atti nach einem...

Operndebüt einer Musical-Diva

Die 1970 in Berlin geborene New Yorkerin Audra McDonald ist ein Phänomen. Fünfmal war die Sängerin bereits wegen ihrer Auftritte in diversen Broadway-Produktionen für einen Tony Award nominiert. Und zwar nicht nur als Musical-Diva, sondern auch als Schauspielerin im Sprechtheater. Und viermal hat sie den Preis bisher nach Hause tragen können. Ein einmaliger Rekord,...

Gefesselte Fantasie

Dass Heinz Zednik, der Broucek der neuen Produktion von Janáceks Opernsatire an der Wiener Volksoper, als Kandidat im Nachfolgespiel um den vorzeitig aus dem Amte scheidenden Direktor Rudolf Berger kolportiert wurde (inzwischen hat er zu verstehen gegeben, dass er nicht mag), ist nicht ohne Pikanterie. Nicht Zedniks, sondern der von ihm verkörperten Figur wegen,...