Starke Signale
Für mich zählen die Salzburger Festspiele zu den Pionieren in der Pandemie. Sie haben nicht nur frühzeitig ein Hygienekonzept erstellt, das als «Salzburger Modell» international zum Vorbild avancierte, sondern auch programmatisch Flagge gezeigt. Dass in diesem Rahmen Joana Mallwitz ihr absolut herausragendes Debüt absolvierte, als erste Dirigentin im Opernfach überhaupt, ist nur ein Höhepunkt unter vielen.
Ein starkes Signal ging zudem von Bayreuth aus: Während die Wagner-Festspiele 2020 abgeblasen wurden, startete Countertenor Max Emanuel Cenčić im «Markgräflichen Opernhaus» das neue Festival «Bayreuth Baroque». Die Aufführung von Porporas «Carlo il Calvo» mit ihm sowie Franco Fagioli, Julia Lezhneva und anderen wurde ein veritables Fest der Stimmen.
In seiner letzten Spielzeit als Staatsopern-Intendant in München hat zudem Nikolaus Bachler die Ärmel hochgekrempelt. Nur wenige Intendanten haben derart sichtbar und kraftvoll agiert wie er. Und dies in Bayern, wo im europäischen Vergleich mit die strengsten Corona-Auflagen herrschten. Zwar konnte er nicht verhindern, dass sein Start bei den Salzburger Osterfestspielen verschoben werden musste. Ein Blick nach Spanien zeigt jedoch, ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 102
von Marco Frei (NZZ, M&T, Berlin, Hamburg München)
Die Gesten der Musikerinnen und Musiker des Balthasar-Neumann-Ensembles stehen für mich symbolhaft für diese – unglaublichen – zurückliegenden zwölf Monate. Wie sie sich am 1. November, nach einer Matinee im Festspielhaus Baden-Baden, unter Tränen voneinander verabschiedeten, sich in den Armen lagen. Im Wissen, dass tags darauf eine neuer Lockdown kommen würde, de...
Eine Opernsaison, die mit «7 Deaths of Maria Callas» beginnt , aber schon nach einem Monat endet, kurz nachdem man Mussorgskys «Boris» in Zürich erlebt hat: Chor und Orchester ins Opernhaus übertragen, die Solisten live auf der Bühne, was in der Regie von Barrie Kosky, bei dem alles in einer Bibliothek mit wandelnden Bücherregalen spielt, kühn gelingt. Wenig später...
Es war eine Uraufführung von bleibendem Wert: Marc-André Dalbavies Musiktheater Le soulier de satin am Palais Garnier der Opéra de Paris führte den Beweis, dass ein schier unspielbares Theaterstück als Oper funktioniert. Der Komponist, der sein Werk selbst dirigierte, und seine Librettistin Raphaèle Fleury verwandelten Claudels Menschheitsparabel in ein «lustvolles...
