Geniestreiche und Kopfgeburten
Die dritte Welle der Pandemie scheint überstanden. Man blickt zurück. «À la recherche du temps perdu»? Nein, eine «verlorene Zeit» ist es nicht gewesen. Es war eine Zeit des Innehaltens, eine Zeit zum Ordnen von Eindrücken, zum Überdenken von Positionen, auch eine Zeit des In-Frage-Stellens.
Was ist haften geblieben von den Eindrücken, wie Oper unter erschwerten Bedingungen ablaufen kann? Wie könnte es weitergehen?
Einen Höhepunkt in dieser von Corona und den mit ihr einhergehenden Einschränkungen bestimmten Saison setzt Christof Loy gleich zu Anfang mit seiner Salzburger «Così-fan-tutte»-Realisierung. Man blickt auf eine schlicht-weiße Wand mit zwei großen Türen, vor der sich das gesamte Geschehen in differenziert ausgefeilter Personenführung abspielt, zwischen Melancholie und Übermut und voll ansteckender Laune. Eine Art der «neuen Einfachheit», bei der das Werk im Mittelpunkt steht, ohne von außen herangetragene Regie-Einfälle, ohne Schielen nach einer überzustülpenden Konzept-Idee. Ein Geniestreich, der den Blick auf Mozart neu eröffnet.
Üppiger in der Ausstattung fällt Hamburgs «Manon» aus (Inszenierung: David Bösch) – eine beschwingte, leichtfüßige Inszenierung voller ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 92
von Gerhart Asche («Weser-Kurier», «Bremer Nachrichten», Bremen)
Angenommen, eine normale Saison wäre das gewesen, wobei: Was heißt das schon? Und trotzdem, ohne das C-Wort, ohne Politikerinnen und Politiker, denen Fußball und Friseure näher liegen als die Kultur, verpanzert im Schwarz-Weiß-Denken zwischen Zusperren und Totalerlaubnis, ohne dies alles hätten es folgende Ereignisse auch nach oben in die «OW»-Umfrage geschafft....
Sein Ruhm wird nur durch ein Stück begründet: «Samson et Dalila». Doch das 100. Todesjahr von Camille Saint-Saëns, der als Sechsundachtzigjähriger am 16. Dezember 1921 in Algier starb, hätte auch in deutschen Landen ein Jahr der musikalischen und szenischen Neuerprobung einiger seiner anderen, fast vergessenen Opern werden sollen und können: «Déjanire» (konzertant)...
Frühling 2019: Die nächste Spielzeit der Pariser Oper wird bekanntgegeben. Auf dem Programm steht ein neuer, von Calixto Bieito inszenierter «Ring», als Abschiedsgeschenk für Musikdirektor Philippe Jordan, der genauso wie Intendant Stéphane Lissner 2021 aus dem Amt scheidet. «Rheingold» und «Walküre» sollen im Frühling 2020 erklingen, «Siegfried» und...
