Geniestreiche und Kopfgeburten
Die dritte Welle der Pandemie scheint überstanden. Man blickt zurück. «À la recherche du temps perdu»? Nein, eine «verlorene Zeit» ist es nicht gewesen. Es war eine Zeit des Innehaltens, eine Zeit zum Ordnen von Eindrücken, zum Überdenken von Positionen, auch eine Zeit des In-Frage-Stellens.
Was ist haften geblieben von den Eindrücken, wie Oper unter erschwerten Bedingungen ablaufen kann? Wie könnte es weitergehen?
Einen Höhepunkt in dieser von Corona und den mit ihr einhergehenden Einschränkungen bestimmten Saison setzt Christof Loy gleich zu Anfang mit seiner Salzburger «Così-fan-tutte»-Realisierung. Man blickt auf eine schlicht-weiße Wand mit zwei großen Türen, vor der sich das gesamte Geschehen in differenziert ausgefeilter Personenführung abspielt, zwischen Melancholie und Übermut und voll ansteckender Laune. Eine Art der «neuen Einfachheit», bei der das Werk im Mittelpunkt steht, ohne von außen herangetragene Regie-Einfälle, ohne Schielen nach einer überzustülpenden Konzept-Idee. Ein Geniestreich, der den Blick auf Mozart neu eröffnet.
Üppiger in der Ausstattung fällt Hamburgs «Manon» aus (Inszenierung: David Bösch) – eine beschwingte, leichtfüßige Inszenierung voller ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 92
von Gerhart Asche («Weser-Kurier», «Bremer Nachrichten», Bremen)
200 Jahre Einsamkeit? Weit gefehlt. Carl Maria von Webers «Freischütz», 1821 im Berliner Schauspielhaus am Gendarmenmarkt (unter der musikalischen Leitung seines Schöpfers) in die Welt gekommen, ist der Deutschen liebstes romantisches Opernkind. Was wiederum auch nicht stimmt, denn die imaginäre Sprache des Waldes, die in diesem Bühnenwerk hörbar wird, fand...
Es war eine Theaterspielzeit, in der es viel Theater ums Theater gab, bei dem es zuerst um die Relevanz von Kultur ging, die in dem von der Politik verlautbarten Ranking zum Entsetzen des ganzen Betriebs irgendwo weit hinten kurz vor den Bordellen rangierte. Unter künstlerischen Aspekten ist diese Spielzeit kaum zu werten, weil die längste Zeit nur digitale...
Die Corona-Pandemie hält die Welt im Würgegriff. Die ganze Welt? Mitnichten. Reiche Länder impfen sich in eine «Neue Normalität», öffnen ihre Theater. Und schließen bald wieder, es ist ja Sommerpause. Wer könnte schon erwarten, dass man aus der schlimmstmöglichen Marginalisierung von Bühnenkunst in Friedenszeiten etwas gelernt hätte? Die ausstolpernde Notsaison...
