Starke Affekte

Heidelberg, Vivaldi/Leininger: Motezuma

Opernwelt - Logo

Der Kampf ist zwar noch nicht beendet, doch wenigs­tens darf der Kaiser endlich auf die Bühne: Nachdem das Berliner Kammergericht im Juni 2006 die Nutzung der wiederaufgefundenen Kopie von Vivaldis «Motezuma» freigegeben und damit eine Feuerpause bis zur endgültigen Entscheidung durch den Bundesgerichtshof ausgerufen hat, darf nun das Publikum entscheiden, ob das Stück die ganze Aufregung überhaupt wert war.

Denn immerhin handelt es sich bei den Notenblättern, die der Musikwissenschaftler Steffen Voss vor vier Jahren im repatriierten Archiv der Berliner Sing­akademie entdeckt hatte, nur um ein Fragment: Wäh­rend das Lib­retto vollständig vorliegt, ist von der Musik nur der zweite Akt nahezu komplett erhalten. Sowohl im ers­ten wie im dritten Akt ist die Flickarbeit von Musik­wissenschaftlern und Arrangeuren gefragt, wenn man das Azteken-Opus auf die Bühne bringen will. Eine Aufgabe, die das Theater Heidelberg für die szenische deutsche Erstaufführung erfreulich ernst genommen hat. Statt (wie in der CD-Ersteinspielung unter Alan Curtis) bloß andere Vivaldi-Opern als Ariensteinbrüche für «Motezuma» zu benutzen, ergänzte der junge Komponist Thomas Leininger die fehlenden Teile im ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2007
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Flotte Artistik, beklemmende Seelenschau

Der französische Regisseur Laurent Pelly zeigt in seiner Amsterdamer Produktion von Prokofjews «Die Liebe zu den drei Orangen» aus dem Jahr 2005 Personen, deren Leben durch ein Kartenspiel bestimmt wird – jenes, mit dem die Hexe Fata Morgana und der Zauberer Tschélio zu Beginn um das Schicksal des Königreichs und des Prinzen pokern. Durch diese Grundkonstellation...

Ensemblekunst

So richtig freuen kann er sich nicht, der König. Obwohl sein Sohn Idamante dank des deus ex machina, der in Freiburg vom Chor und nicht – wie bei Mozart – von ­einem Bass gesungen wird, sein Leben behält. Der abgedankte König wendet sich ab von der Spielfläche und wirft einen imaginären Stein flach ins Publikum – das war’s dann also. Keine abgeschlagenen...

d’Albert: Tiefland

Rund hundert Jahre nach seiner Uraufführung taucht Eugen d’Alberts «Tiefland» wieder häufiger in den Spielplänen auf. In Zürich startete Matthias Hartmann unlängst eine Reise in virtuelle Klon-Welten (siehe OW 8/2006), in Frank­furt wanderte Anselm Weber nun in reelle Niederungen der Gegenwart.
Die schwierigen Seiten dieses Werks haben den Chef des Essener...