Stählerne Eleganz
Als David Gockley, der Generaldirektor der San Francisco Opera, bei Karita Mattila anfragte, ob sie die Emilia Marty in «Die Sache Makropulos» singen wolle, soll sie nur unter der Bedingung zugesagt haben, dass man Jirí Belohlávek als Dirigenten ans Haus hole. Mattila, so stellte sich heraus, lag gleich in zweifacher Hinsicht richtig: sowohl mit ihrer Entscheidung, die fulminante, höchst anspruchsvolle Partie zu übernehmen, als auch mit ihrem Beharren auf Belohlávek.
Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit erwies sich als uneingeschränkter Triumph – nicht nur für Mattila, die der Liste ihrer sängerischen und darstellerischen Erfolge eine weitere Rolle hinzufügte, sondern auch für die Kompanie, die sich in den zurückliegenden Spielzeiten recht schwer damit getan hatte, die Versprechen der neuen Leitung einzulösen.
Mit ihren Interpretationen der Titelheldinnen in «Jenufa» und «Katja Kabanova» hat sich Mattila bereits als eine der führenden Janácek-Interpretinnen einen Namen gemacht. Emilia Marty hingegen, jene energiegeladene Opernsängerin, die – Fluch oder Segen? – das Geheimnis ewiger Jugend besitzt, unterscheidet sich doch wesentlich von den unterdrückten, leidgeprüften Heroinen der ...
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Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Joshua Kosman
Dmitri Schostakowitschs Frühwerk «Die Nase» – eine Oper nur für große Häuser? Der 1930 uraufgeführte Dreiakter vereint mehr als 80 (meist kurze) Solorollen und bis zu zehn Schlagzeuger im Graben. «Die Nase» ist eine jener Orchideen im Spielplan, die bei ihrem seltenen Erblühen von Kritik und Publikum meist das Siegel «Warum spielt man das nicht öfter?» erhalten....
Angesichts der landauf, landab grassierenden «Ring»-Neuinszenierungen hat es eine jede immer schwerer, sich als unverwechselbar zu annoncieren. Die jüngste Gemeinschaftsproduktion des Pfalzbaus Ludwigshafen und der Oper Halle (zugleich mit dem «Ring»-Gewinn hat diese den Verlust ihres Kindertheaters zu verbuchen) versucht’s mit dem originalen Richard-Wagner-Aus-...
Beschaut man die Szene, wird die Erinnerung an Schubert wach: Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus. Losgelöst von den Menschen, schwebt Lucia Ashton – soeben hat sie den ihr aufgezwungenen Gatten Arturo gemordet – im blutbefleckten Hochzeitskleid die Treppe hinab in den Saal (Bühne: Robert Pflanz), besteigt den festlich gedeckten Tisch, liegt dort,...
