Bunte Höllenfahrt
Dmitri Schostakowitschs Frühwerk «Die Nase» – eine Oper nur für große Häuser? Der 1930 uraufgeführte Dreiakter vereint mehr als 80 (meist kurze) Solorollen und bis zu zehn Schlagzeuger im Graben. «Die Nase» ist eine jener Orchideen im Spielplan, die bei ihrem seltenen Erblühen von Kritik und Publikum meist das Siegel «Warum spielt man das nicht öfter?» erhalten. Und doch dürfte der Aufwand viele Theater abschrecken. Machbar ist das Stück aber auch für kleinere Bühnen, wie die Neuproduktion am Theater Koblenz zeigt.
Die zugrunde liegende Groteske Gogols, in der der Beamte Kowaljow ohne Nase aufwacht, ihr in Person eines Staatsrats begegnet und sie nach zahlreichen Misslichkeiten wieder in seinem Gesicht vorfindet, kann man vielseitig deuten: Als bitterböse Bürokratie-Satire etwa, als traumgewordene Kastrationsangst oder «nur» als quirliges Spektakel ohne roten Faden. Regisseurin Waltraud Lehner entscheidet sich für das Gesamtpaket, lässt Kinderstatisten im Nasenkostüm über die Bühne wuseln, zeigt in Projektionen ein über dem nackten Körper des Hauptdarstellers kreisendes Rasiermesser. Und sie fährt auf der Sowjet-Metropolis-Bühne in Sachen Technik und Chormasse auf, was im kleinen ...
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Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Claus Ambrosius
Anthony Freud, vormals Intendant der Welsh National Opera, kam 2006 nach Houston. Gerade ist sein Vertrag als Leiter der Grand Opera (HGO) bis 2015 verlängert worden. Freud ist es nicht nur gelungen, die HGO finanziell über Wasser zu halten, er bemüht sich zudem stetig darum, neue Fans, insbesondere in der großen Gruppe der hispanischen und asiatischen Einwanderer,...
Der Leipziger Gluck-Zyklus geht weiter. Nach «Alkestis» (siehe OW 6/2010) hat Peter Konwitschny als zweites Stück seiner Auseinandersetzung mit dem Opernreformator die 1774 für Paris entstandene «Iphigenie in Aulis» inszeniert. Wieder geht es ihm – gut ideologiekritisch – darum, das Frauenopfer als Metapher und Basis der modernen Zivilisation freizulegen. Die...
Berlioz ohne Orchester ist wie Rembrandt ohne Licht. Deshalb muss man zweifellos dankbar sein, dass das Orchester der Deutschen Oper Berlin die Premiere von «Les Troyens» gespielt hat. Es hätte auch streiken können, denn es befindet sich, wie ein Handzettel am Eingang verkündet, «im offenen Tarifkonflikt». (Wir haben das Thema in dieser Zeitschrift schon...
