Bunte Höllenfahrt
Dmitri Schostakowitschs Frühwerk «Die Nase» – eine Oper nur für große Häuser? Der 1930 uraufgeführte Dreiakter vereint mehr als 80 (meist kurze) Solorollen und bis zu zehn Schlagzeuger im Graben. «Die Nase» ist eine jener Orchideen im Spielplan, die bei ihrem seltenen Erblühen von Kritik und Publikum meist das Siegel «Warum spielt man das nicht öfter?» erhalten. Und doch dürfte der Aufwand viele Theater abschrecken. Machbar ist das Stück aber auch für kleinere Bühnen, wie die Neuproduktion am Theater Koblenz zeigt.
Die zugrunde liegende Groteske Gogols, in der der Beamte Kowaljow ohne Nase aufwacht, ihr in Person eines Staatsrats begegnet und sie nach zahlreichen Misslichkeiten wieder in seinem Gesicht vorfindet, kann man vielseitig deuten: Als bitterböse Bürokratie-Satire etwa, als traumgewordene Kastrationsangst oder «nur» als quirliges Spektakel ohne roten Faden. Regisseurin Waltraud Lehner entscheidet sich für das Gesamtpaket, lässt Kinderstatisten im Nasenkostüm über die Bühne wuseln, zeigt in Projektionen ein über dem nackten Körper des Hauptdarstellers kreisendes Rasiermesser. Und sie fährt auf der Sowjet-Metropolis-Bühne in Sachen Technik und Chormasse auf, was im kleinen ...
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Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Claus Ambrosius
Auf den ersten Blick eine bestechende Idee: Aus den im Orient verschleppten Europäern der Mozart-Oper werden an der Vlaamse Opera Touristen, die irgendwo zwischen Algerien und Jemen Terroristen in die Hände fallen. Was daraus folgen müsste, wäre eine komödiantische Variante des clash of civilizations. Es stellt sich jedoch bald heraus: Die Orient-Klischees des 18....
«Lettera amorosa» lautet der Titel eines Liebesbriefs aus dem Libro VII der Madrigale von Claudio Monteverdi. Die neun Minuten lange, dramatisch-theatralische Szene im kunstvoll-deklamatorischen und affektgeladenen Stil gab die Anregung für den Titel der neuen Anthologie von Magdalena Kozená. Im Beiheft heißt es, die Sängerin habe Musik dieser Art schon als...
Der Eiserne Vorhang hat die Teile der einstigen Donaumonarchie noch gründlicher getrennt als der Frieden von 1918. Österreich orientierte sich 1945 westlich, wirtschaftlich wie kulturell. Eine Wiedervereinigung der Kronländer der Monarchie wird es nicht geben. Doch Österreich und seine slawischen Nachbarn sind einander wieder näher gerückt. Jetzt erinnert man sich...
