Hier Melancholie, dort Machiavelli
Beschaut man die Szene, wird die Erinnerung an Schubert wach: Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus. Losgelöst von den Menschen, schwebt Lucia Ashton – soeben hat sie den ihr aufgezwungenen Gatten Arturo gemordet – im blutbefleckten Hochzeitskleid die Treppe hinab in den Saal (Bühne: Robert Pflanz), besteigt den festlich gedeckten Tisch, liegt dort, von Kerzen beleuchtet, und hebt an mit dieser unglaublich schönen und schmerzensreichen Arie, die uns von der Liebe erzählt – von einer unmöglichen.
Kein Zweifel, hier ist jemand aus seiner Mitte verrückt geworden: von den Umständen, auch von der Gesellschaft, die ihrerseits von ihr abrückt (der famose Chor des Mecklenburgischen Staatstheaters in den wallenden Gewändern von Bettina Lauer). Einer nach dem anderen verlässt den Ort des Grauens. Mit einem solch irren Sinn will man nichts zu tun haben.
Es ist die berührendste Szene der Oper «Lucia di Lammermoor»: der tragischen Titelheldin Abschied von der Welt. Beeindruckend gerät er hier nicht nur wegen der irisierenden Pianissimo-Stimme der koreanischen Sopranistin Hyunju Park, die über eine exquisite Belcanto-Technik gebietet (im Forte allerdings mit etwas zu viel Nachdruck ...
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Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Jürgen Otten
Es ist äußerst verlockend, der These zu folgen, die Juan Batista Otero im Beiheft zu seiner Einspielung von Martín y Solers «Il sogno» entwickelt. Einen freimaurerischen Subtext vermutet der spanische Opernentdecker in der szenischen Kantate, die aller Wahrscheinlichkeit nach im August 1789 am Wiener Hof uraufgeführt wurde, und führt dafür eine ganze Anzahl...
Deutsche Saison in Paris: Mozarts «Zauberflöte» an den Bouffes du Nord (siehe Seite 14), an der Opéra Bastille wächst ein «Ring des Nibelungen» heran, der zweite Anlauf der Opéra National, nachdem ein ehrgeiziges Projekt mit den Regisseuren Peter Stein und Klaus Michael Grüber, damals noch im Palais Garnier, nach der «Walküre» abgebrochen wurde, weil angeblich der...
«Lettera amorosa» lautet der Titel eines Liebesbriefs aus dem Libro VII der Madrigale von Claudio Monteverdi. Die neun Minuten lange, dramatisch-theatralische Szene im kunstvoll-deklamatorischen und affektgeladenen Stil gab die Anregung für den Titel der neuen Anthologie von Magdalena Kozená. Im Beiheft heißt es, die Sängerin habe Musik dieser Art schon als...
