Spielarten des Grotesken
Für ihre komische Oper «Esame di mezzanotte» entwarf Lucia Ronchetti eine mit Zitaten von Janequin bis Verdi gespickte, dramatisch wirkmächtige Partitur voll musikalischen Humors: Die auf Ermanno Cavazzonis Roman «Mitternachtsabitur» beruhende Groteske, in Auftrag gegeben vom Nationaltheater Mannheim, ist «Uraufführung des Jahres». Auch Beat Furrer schaut mit seinem neuen Stück nach Italien: «la bianca notte», komponiert für die Hamburgische Staatsoper, ist eine Meditation über den Dichter Dino Campana.
Pascal Dusapin erfüllte sich, von Brüssels Intendant Peter de Caluwe ermutigt, einen lang gehegten Traum: Kleists «Penthesilea» zu vertonen. Tableaus in schwerblütig-dunklen, spröden Farben. Drei Porträts
Schon Cicero wusste, dass gleich und gleich sich gern gesellt. Doch was auf den ersten Blick sich gleich geriert, passt nicht immer wirklich zusammen. Bei näherer Betrachtung kann sich der erste Eindruck sogar ins Gegenteil verkehren. Etwa wenn man sich mit den Komponistinnen Lucia Ronchetti und Unsuk Chin beschäftigt. Genauer: mit zwei Bühnenwerken, die auf eine innere Verwandtschaft zwischen ihnen zu deuten scheinen – «Esame di mezzanotte» und «Alice in Wonderland». Als ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Jahrbuch 2015
Rubrik: Uraufführung des Jahres, Seite 42
von Marco Frei
Erste Freundschaft mit Lulu schloss sie in Nürnberg. Fast zwei Jahrzehnte liegt das nun schon zurück. Seitdem hat die Figur Marlis Petersen nicht mehr losgelassen. Und sich mit jeder neuen Begegnung gewandelt. Dmitri Tcherniakovs Münchner Inszenierung war ihre neunte Produktion von Bergs Oper. Und wieder schien Marlis Petersen die Rolle neu zu erfinden. Einen...
Wenn man Elena Sancho Pereg auf der Bühne der Düsseldorfer Rheinoper erlebt, vergisst man fast, dass sie singt. Zuallererst wird man gebannt von ihrem Spiel, ihrer faszinierenden Erscheinung. Erst dann registriert man die Qualität ihrer Stimme. In der Theaterwelt bezeichnet man eine solche Ausnahmebegabung auch als «Bühnentier». Der Begriff bezeichnet sehr treffend...
Plüschwerk für harmoniebedürfige Abonnenten? Bequeme Polsterware für kassenbewusste Spielplangestalter? Dieses Image hat die Operette abgestreift. Fast überall vorbei die Zeit der Saubermann-Bearbeitungen aus den Wirtschaftswunderjahren. Her mit dem damals unterschlagenen dreckigen Ton, dem frechen Orchesterklang, dem scharfen Witz! «Rekonstruktion» lautet heute...
