Spiel der Erinnerungen
Adornos Diktum klebt fest, auch wenn es immer wieder infrage gestellt und kritisch gewendet worden ist: Nach Auschwitz noch Gedichte zu schreiben, sei barbarisch. Und gar eine «Auschwitz-Oper»? Auch wenn es fragwürdig sein mag, einen solchen Begriff auf «Die Passagierin» von Mieczysław Weinberg anzuwenden: Die Notwendigkeit des Erinnerns ist ein Wesenskern der Kunst. Was sagt uns Geschichte, was können wir aus ihr lernen?
«Die Passagierin», das zeigt auch die aktuelle Neuinszenierung in Graz, ist vermutlich doch Weinbergs eindrücklichstes Opus.
Das Stück, das auf einem Roman der 97-jährigen Schriftstellerin Zofia Posmysz beruht, erzählt von der ehemaligen KZ-Aufseherin Lisa Franz, die in Auschwitz die polnische Gefangene Marta zur ihrer Vertrauten machte, sie aber – man hat ja nur seine Pflicht getan – letztlich doch in den Todesblock schickte. Zwei Jahrzehnte später meint Lisa, die sich mit ihrem Diplomatengatten Walter auf der Überfahrt nach Brasilien befindet, just diese Gefangene als Passagierin auf dem Schiff wiederzuerkennen. Ob sie es wirklich ist, bleibt bis zuletzt in Schwebe, setzt aber ein assoziatives «Spiel» der Erinnerungen frei, das in Überblendungen und Zeitsprüngen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2020
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Karl Harb
Tolles Cover. Ungeschönt, ehrlich, direkt. Dazu erzählt es viel über diese ziemlich außergewöhnliche Frau. Der Blick ist klar, streng und doch verträumt, fast liebevoll. Um die geschlossenen Lippen spielt leise Ironie. Und beide Arme sind verschränkt, einerseits resolut, andererseits wie zum Schutz. Sie ließen sich öffnen. Und mit ihnen würde man einen Weg...
Ihre Exzellenz war sichtlich not amused. Eines Kaisers und Königs unwürdig sei das, was sie da am Abend des 6. September 1791 auf der Bühne des Prager Nationaltheaters gesehen habe, schlimmer noch, «una porcheria tedesca», eine deutsche Sauerei. Weit gefehlt, möchte man der strengen Katholikin Maria Ludovica posthum zuraunen. «La clemenza di Tito» auf ein Libretto...
Wer am 7. März die Wiederentdeckung von Hans Gáls Märchenoper «Die heilige Ente» im Marguerre-Saal des Theaters Heidelberg erlebt hatte und nach sieben quälenden Schließmonaten erstmals dort wieder den Vorhang hochgehen sah, vergaß alles, was in der Zwischenzeit passiert war. Wieder war es ein fantastisch-komisches Spiel mit tragischen Untertönen – eine...
