Alles nur zum Schein

Dietrich W. Hilsdorf entlarvt in Magdeburg die Milde des Herrschers in Mozarts «La clemenza di Tito» als trügerisch, Anna Skryleva trübt analog dazu die vermeintliche Dur-Helligkeit der Partitur

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Ihre Exzellenz war sichtlich not amused. Eines Kaisers und Königs unwürdig sei das, was sie da am Abend des 6. September 1791 auf der Bühne des Prager Nationaltheaters gesehen habe, schlimmer noch, «una porcheria tedesca», eine deutsche Sauerei. Weit gefehlt, möchte man der strengen Katholikin Maria Ludovica posthum zuraunen. «La clemenza di Tito» auf ein Libretto von Caterino Mazzolà ist nicht mehr und nicht weniger als ein tiefgründiges, überaus subtiles, reifes Meisterwerk.

Obschon: auch ein Paradox, das die für die Opera seria konstitutive Pathosspannung zwischen Drohen und Flehen, zwischen Ira und Supplicazione, zwischen drohendem Souverän und flehendem Untertan aufhebt. Wenn man so will: eine Krönungsoper mit Kerben.

Und genau so interpretiert Magdeburgs GMD Anna Skryleva dieses vermeintlich Dur-helle Stück vom Cembalo aus (und das sehr impulsiv): mit feinem Gespür für die Störungen innerhalb der scheinaufklärerischen Selbstgewissheit. Die 19 hellwachen Musiker ihres Orchesters setzen die Vorgaben der russischen Dirigentin präzise und pointiert um. Wo Mozart das Melos durch herbe Akzente aufbricht, ist auch das ansonsten getragene Spiel der Magdeburgischen Philharmonie ...

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Opernwelt November 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Jürgen Otten

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