Spieglein, Spieglein auf dem See, wo ist nur mein Kanapee?
Bregenz ist ein Ort des Musiktheater-Superlativs. Jedenfalls wenn es um die Festspiel-Seebühne geht. Hier lassen sich Operninszenierungen in Mengenangaben bemessen. Knapp 1300 Quadratmeter ist die witterungsbeständige Spielfläche der neuen «La traviata»-Produktion groß; 400.000 Liter Seewasser befüllen das seit Philipp Stölzls «Freischütz»-Inszenierung existierende Wasserbecken vor der Bühne, eine Art Infinity Pool, ein See vor dem See, der eine Kontinuität in der Wasserhöhe garantiert. Was in einem so trockenen Sommer wie dem des Jahres 2026 durchaus keine Nebensache ist.
Wobei sich hier gleich eine grundsätzliche Frage anschließt: Was für eine Rolle spielt Wasser eigentlich in «La traviata»? Das letzte Werk aus Giuseppe Verdis Erfolgs-Trilogie ist das intimste, fragilste. Drei Akte spielen in Paris, einer in einer Landhausidylle. Natur ist hier, anders als in den beiden vorausgegangenen Meisterwerken «Rigoletto» und «Il trovatore», eine maximal zurückgedimmte Größe. Wenn man sich also fragt, weshalb die «Kameliendamen»-Oper auf der Seebühne noch nie gespielt wurde, könnte man darin eine Antwort finden. Sicher war das ein zentrales Problem, mit dem sich Regisseur Damiano ...
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Opernwelt September/Oktober 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Alexander Dick
Ein bisschen Metaphysik geht immer. Zumal, wenn gerade die Welt eingestürzt ist und unzählige Millionen von Toten auf den Schlachtfeldern, in den Konzentra -tionslagern und in den Städten zu beklagen sind. Benjamin Britten, der erklärte Pazifist, hatte ein gutes Gespür für das, was nach dem Zweiten Weltkrieg möglich war, was die Menschen hören konnten. Also...
Tja, so ist das, wenn Götter in Liebe (oder besser: in das, was sie darunter verstehen) entbrennen. Schwierig ist’s und ziemlich kompliziert. Vor allem dann, wenn diese Götter, um von sich selbst abzulenken, wie aus dem Nichts, verkleidet und geschlechtsverwandelt vor dem Subjekt ihrer ungeheuer -lichen erotischen Begierden auftauchen. So wie unser Freund Jupiter...
Zurück vom Ring!», schleudert Hagen am Schluss von Richard Wagners «Götterdämmerung» den Rheintöchtern entgegen, bevor sie ihn mit sich in die Tiefe ziehen. Hagens Warnruf ist zugleich Wagners eigenes Schlusswort am Ende der Tetralogie, sein Fazit nach 16 Stunden Nibelungen-Musikdrama. Und hätte er, wie geplant, sein Bayreuther Festspielhaus tatsächlich nach der...
