Einfach nur magisch
Tja, so ist das, wenn Götter in Liebe (oder besser: in das, was sie darunter verstehen) entbrennen. Schwierig ist’s und ziemlich kompliziert. Vor allem dann, wenn diese Götter, um von sich selbst abzulenken, wie aus dem Nichts, verkleidet und geschlechtsverwandelt vor dem Subjekt ihrer ungeheuer -lichen erotischen Begierden auftauchen. So wie unser Freund Jupiter alias Zeus – alias Giove.
So heißt der oberste Olympier in Francesco Cavallis Oper «La Calisto»; der ebenso schönen wie keuschen Titelheldin erscheint er ausgerechnet in der Gestalt der Jagdgöttin Diana, und dieser kann die Nymphe eben so gar nicht widerstehen. Das hat Folgen. Erhebliche Folgen.
Cavallis diamanten schimmerndes Dramma per musica, 1651 im venezianischen Teatro Sant’ Apollinaire uraufgeführt und wenig später in Vergessenheit geraten, hat die Musikbühnen inzwischen, wenn nicht im Sturm erobert, doch zumindest von seiner erklecklichen Qualität überzeugt. Und so kamen die Besucherinnen und Besucher beim Festival d’Aix-en-Provence im vergangenen Jahr auch in den Genuss, das Stück im Théâtre de l’Archevêché erleben zu dürfen, in Jetske Mijnssens scharfsinnig-poetischer Inszenierung. Das Glück wollte es, dass ...
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Opernwelt September/Oktober 2026
Rubrik: Medien, Seite 54
von Jürgen Otten
Neues im Musiktheater ist seltsam auf Vergangenes bezogen: In der Oper werden ja meist historische Stücke aufgeführt. Allerdings wäre es falsch, Oper zu einem Museum zu erklären, denn die Stücke finden ja jetzt statt, werden heute auf Zeitgenossenschaft abgeklopft. Diese paradoxe Verschränkung von Vergangenheit und Gegenwart ist ein Wesenskern der Oper.
Opern sind...
Barockopern liegen nicht einfach so herum, und nicht jeder findige Geist, der ein Stück in den Archiven entdeckt, kann es mal eben flugs auf irgendeine Bühne bringen. Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass ausgerechnet Francesco Cavallis erstes Bühnenwerk «Le nozze di Teti e Peleo» bislang keine szenische Umsetzung erfuhr, obwohl doch die Aufführungsgeschichte...
Beim Stichwort «Grüner Hügel» denken Opernkundige natürlich sofort an Bayreuth und die Richard-Wagner-Festspiele. Dabei gibt es noch ein weiteres großes Opernfestival in der süddeutschen Provinz, das auf einem grünen Hügel spielt: Das Immling Festival, das in der Nähe von Bad Endorf im Chiemgau in diesem Sommer immerhin auch schon zum 30. Mal stattfindet. Gespielt...
