Bild-Kopf-Salat
Zurück vom Ring!», schleudert Hagen am Schluss von Richard Wagners «Götterdämmerung» den Rheintöchtern entgegen, bevor sie ihn mit sich in die Tiefe ziehen. Hagens Warnruf ist zugleich Wagners eigenes Schlusswort am Ende der Tetralogie, sein Fazit nach 16 Stunden Nibelungen-Musikdrama. Und hätte er, wie geplant, sein Bayreuther Festspielhaus tatsächlich nach der Uraufführung des «Rings» 1876 wieder abreißen lassen, wäre seinem imposanten Weltenwerk viel Weh erspart geblieben.
Des Meisters Mahnung ist längst verhallt, nicht nur auf dem Grünen Hügel.
Dort aber wird sie von Zyklus zu Zyklus dringlicher. Hatte Katharina Wagner 2022 mit der «Ring»-Inszenierung von Valentin Schwarz einen abstrusen Volltreffer gelandet, so schmiedete sie mit ihrer diesjährigen Jubiläumsausgabe Publikum und Kritikerzunft zu einer Phalanx gepanzerter Abwehr zusammen. Der R(h)einfall dieser Produktion stand schon am Vorabend des «Rheingolds» so gut wie fest, als die ersten Buhrufe für die Bühnenbehandlung aufbrandeten. Ein Experiment sollte dieser «Ring» sein, exklusiv für das Jahr 2026, mit Hilfe modernster Technik generiert: mit künstlicher Intelligenz. Dazu hatte die Leiterin Marcus Lobbes als «Kurator» – ...
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Opernwelt September/Oktober 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Lotte Thaler
Ein bisschen Metaphysik geht immer. Zumal, wenn gerade die Welt eingestürzt ist und unzählige Millionen von Toten auf den Schlachtfeldern, in den Konzentra -tionslagern und in den Städten zu beklagen sind. Benjamin Britten, der erklärte Pazifist, hatte ein gutes Gespür für das, was nach dem Zweiten Weltkrieg möglich war, was die Menschen hören konnten. Also...
Frau Marciniak, was fällt Ihnen leichter – an Gott zu glauben oder an die Ideale der Französischen Revolution?
Oh, was für eine Frage! (überlegt eine Weile) Ich denke, beide Ideen sind verlockend, da es eine menschliche Notwendigkeit gibt, an irgendetwas zu glauben. Der Gottesglaube hilft uns, gewisse Dinge unserer Existenz besser zu akzeptieren. Und die Ideale...
Es könnte ein Bild für die Götter sein – wie sie da so sitzt auf einer Parkbank an der Frankfurter Allee, neben sich eine Tragetasche, und in den Himmel über Berlin blinzelt, leicht versonnen, gedankenversunken, nachdenklich, so ganz anders eben, als man sie von der Bühne her kennt. Aber es ist dieselbe Frau, dieselbe Künstlerin, nur eben abseits des Rampenlichts....
