Sozialkritik?

Verdi: Don Carlos am THeater Freiburg

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Richard Wagners Diktum, er sei der Welt noch einen «Tannhäuser» schuldig, lässt sich in gewissem Sinne auch auf Giuseppe Verdis «Don Carlos» übertragen. Nur zum Teil befriedigende Versionen des Stücks gibt es etliche. Regisseur Michael von zur Mühlen, Autor Thomas Köck und Dirigent André de Ridder reihen sich mit ihrer «Freiburger Fassung» nun darin ein. Ihre Quintessenz scheint in einem der interpunktionslosen Sätze Köcks verräterisch auf: «… in manchen momenten der geschichte möchte man dass das schweigen übernimmt.» Einen Mehrwert sucht man vergebens.

Autor und Regisseur verlaufen sich im Labyrinth ihrer intellektuellen Denk -blasen. Die «Freiburger Fassung» – sie basiert im Prinzip auf der Mailänder Version von 1884, erweitert um den Holzfäller-Chor aus dem Fontainebleau-Akt – funktioniert nämlich nicht: Es fehlen schlicht die Bezüge. Wenn der Chor während des Prologs in «Alltags»-Kostümen und grellen Perücken im Zuschauerraum platziert wird, ist kaum nachzuvollziehen, dass und warum er eben diesen Chor deklamiert. Sozialkritik?

Die Produktion hat zu viele Narrative, deren Verschränkung verwirrt, überfordert; überdies lässt sie die Figuren seltsam konturenlos erscheinen. Das ...

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Opernwelt Mai 2024
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Alexander Dick

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