Soundscapes
Dass Na’amer Zissers «Mamzer Bastard» in Hackneys Empire gegeben wird, ist kein Zufall: In diesem Ostlondoner Bezirk lebt die größte chassidische Gemeinschaft Europas. Die israelische Komponistin – Stipendiatin der Londoner Royal Opera und Guildhall School of Music – verquickt traditionelle chassidische Melodien mit dem eigenen Idiom. Auch das Libretto ihrer Schwägerin Samantha Newton und Schwester Rachel spiegelt in wiederkehrenden Textpassagen den rituellen Charakter. Mit Netanel Hershtik steht als David sogar ein echter Kantor auf der Bühne.
Der junge Orthodoxe Yoel wird vor seiner Hochzeit von Zweifeln geplagt. In der durch einen stadtweiten Stromausfall verursachten Finsternis rettet ihm ein Fremder das Leben. Er entpuppt sich als der totgeglaubte erste Ehemann von Yoels Mutter – Yoel wurde nach ihm benannt. Da diese erste Ehe der Mutter nie geschieden wurde, ist Yoel (und jeder seiner Nachkommen) ein «Mamzer» und darf eigentlich nicht heiraten. Er tut es trotzdem – und bricht damit den Bann.
Warum die Handlung auf das Drama des New Yorker Blackouts 1977 angewiesen ist, erschließt sich nicht recht. Das äußere Chaos (in Form verrauschter Radionachrichten) kann nicht darüber ...
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Ist es «politisch korrekt, die jüdischen Protagonisten [...] der alten Opern» heute, in einem «erneut gefährlich schwankenden Europa», wiederzuerwecken?, fragt die israelische Historikerin Fania Oz-Salzberger. Und liefert die ambivalente Antwort gleich mit: «Nein. [...] Aber wir sollten es dennoch tun.»
Oz-Salzberger setzte mit ihrem Vortrag Rahmen und Ton eines...
Er war ein Romantiker reinsten Wassers. Schon früh hatte Barry McDaniel seine künstlerische Heimat gefunden: in den Liedern von Schumann, Wolf, Brahms, vor allem aber bei Schubert. «Ich fühlte von Anfang an eine tiefe Verbundenheit und eine Seelenverwandtschaft», bekannte er im Begleitheft zur «Winterreise», die er 1972 mit Aribert Reimann in London aufgenommen...
Die Vorstellung ist absurd: ein Opernhaus ohne Intendant, ohne Chefregisseur und ohne Musikchef. Führungslos, ratlos, ideenlos. Was eigentlich nur kühnste Fantasie zu ersinnen vermag, ist in der Pokrovsky Kammeroper demnächst Realität. Und wie es aussieht, wird das Moskauer Theater als solches nicht mehr existieren.
So ernüchternd die Zukunftsaussichten, so...
