Soundscapes
Dass Na’amer Zissers «Mamzer Bastard» in Hackneys Empire gegeben wird, ist kein Zufall: In diesem Ostlondoner Bezirk lebt die größte chassidische Gemeinschaft Europas. Die israelische Komponistin – Stipendiatin der Londoner Royal Opera und Guildhall School of Music – verquickt traditionelle chassidische Melodien mit dem eigenen Idiom. Auch das Libretto ihrer Schwägerin Samantha Newton und Schwester Rachel spiegelt in wiederkehrenden Textpassagen den rituellen Charakter. Mit Netanel Hershtik steht als David sogar ein echter Kantor auf der Bühne.
Der junge Orthodoxe Yoel wird vor seiner Hochzeit von Zweifeln geplagt. In der durch einen stadtweiten Stromausfall verursachten Finsternis rettet ihm ein Fremder das Leben. Er entpuppt sich als der totgeglaubte erste Ehemann von Yoels Mutter – Yoel wurde nach ihm benannt. Da diese erste Ehe der Mutter nie geschieden wurde, ist Yoel (und jeder seiner Nachkommen) ein «Mamzer» und darf eigentlich nicht heiraten. Er tut es trotzdem – und bricht damit den Bann.
Warum die Handlung auf das Drama des New Yorker Blackouts 1977 angewiesen ist, erschließt sich nicht recht. Das äußere Chaos (in Form verrauschter Radionachrichten) kann nicht darüber ...
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Die einen wollen nichts sehen – gründen gar eine ganze Familienkultur darauf. Am deutlichsten wird das im vierten Akt, als Arkel die schöne Mélisande ganz und gar ungroßväterlich auf den Mund küsst, als wollte er ihr die Jugendfrische aus dem Leib saugen: «Hast du Angst vor meinen greisen Lippen?» Da legen die Umstehenden, wie so oft in Stefan Herheims...
Merkwürdig, wie sehr wir am Musiktheater gemessen werden», sinniert Chief Executive Roger Wright. «Es ist doch nur ein Programmpunkt unter vielen.» Jedes Jahr eine große Britten-Produktion kann sich das Aldeburgh Festival gar nicht leisten: Muss man doch für eine vollumfängliche Oper nahezu doppeltes Budget ansetzen. Im Durchschnitt kosten die zweieinhalb Wochen...
Der tschechische Komponist Alois Hába (1893-1973) gehört zu den oft genannten künstlerischen Experimentatoren des 20. Jahrhunderts. Sein Name ist mit der Entwicklung einer eigenwilligen Mikrotonalität, einer konsequenten Viertel- und Sechsteltonmusik verbunden. Sie eröffnete ihm, etwa zeitgleich mit Alexander Skrjabin, Arnold Schönberg und Josef Matthias Hauer,...
