Zeitgenössische Vokalmusik aus 70 Jahren
Die instrumentalen Partituren von Adriana Hölszky wirken mit ihren dauererregten, chaotisch zerfaserten Texturen immer schon wie ein Klangtheater, das sich mit surreal anmutenden Bildwelten seine eigene Szenerie schafft. Doch in Verbindung mit einer Bühneninszenierung werden noch einmal ganz andere Schichten freigelegt. So geschehen mit der Komposition «Roses of Shadow» für Sopran und Ensemble, die vor Kurzem von Martin Schläpfer für das Ballett am Rhein Düsseldorf/ Duisburg choreografiert wurde; Ausschnitte daraus sind im Internet zu sehen.
Der Bilderreichtum der Musik pur zeigt sich in der Aufnahme mit einem Instrumentalensemble unter der Leitung von Wen-Pin Chien und der mit allen Wassern zeitgenössischer Vokalkunst gewaschenen Sopranistin Angelika Luz. Das Werk, das einen Text nordamerikanischer Indianer mit einem Shakespeare-Sonett verknüpft, ist von hoher Einfallsdichte, die musikalische Rede reicht von der Empörung bis zur Groteske und kann auch unvermutet in Komik kippen. Das zweite Werk auf der technisch vorzüglich produzierten SACD ist «Message» nach Eugène Ionesco für drei Vokalisten mit Zusatzinstrumenten und Live-Elektronik. Die Aufnahme ist aus einem Guss und ...
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So schlecht ist dieses schräge Stück gar nicht, man muss es nur überzeugend auf die Bühne bringen: «Edgar», Puccinis zweite, selten gespielte Oper. Die Bühne, das ist hier der Klosterhof vor der mächtigen Fassade der Kathedrale St. Gallen. Mit dabei sind die Magie des Ortes, die Dämmerung sowie Schwalben, die sich um Vierteltöne zu hoch ins musikalische Geschehen...
Mit den ersten Moll-Akkorden der Ouvertüre, den prominent auffahrenden, in diesem Werk so wichtigen Paukenwirbeln, ist alles entschieden: Es sollte ein orchestral phänomenaler Premierenabend in Frankfurt werden. Antonino Fogliani, der mit kreisender, aber deutlicher Gestik an gute alte italienische Kapellmeistertradition erinnerte, an Dirigenten wie Giuseppe...
In Strauss’ «Capriccio» 2016 am Theater an der Wien überzeugte uns Maria Bengtsson als Gräfin mit ihrem vorbildlich auf dem Atem phrasierten, nicht durch vermeintlich Strauss-typische, sentimentale Verschleifer entstellten Finale. Auch die Figur, die die Regie ihr abverlangte, war ungewöhnlich: mit ihren langen blonden Haaren schien sie weniger Aristokratin als...
