So krass wie möglich
Die neue Intendantin der Semper-Oper, Ulrike Hessler, ist drauf und dran, die Hörgewohnheiten ihres Publikums neu zu modellieren: Noch nie ist in Dresden Monteverdis spätes Meisterwerk «L’incoronazione di Poppea» produziert worden – am Ende der Aufführung schien das traditionssüchtige Opernpublikum Dresdens Wagner & Strauss völlig vergessen zu haben, es huldigte der Barockoper. Und damit einer modernen Inszenierung, die den Zynismus des Stücks auf die Spitze treibt.
Zum ersten Mal ist der Schauplatz Oper hier von Menschen bevölkert, lebenden Personen der römischen Geschichte, nicht mehr von mythischen Instanzen aus Pappe oder Marmor. Im Prolog streiten zwar noch göttliche Allegorien – Glück, Tugend und Liebe – boshaft um die Vorherrschaft in der Welt. Aber das sind in Dresden lediglich drei altkluge Hostessen, die die römische Unterschicht der Dienerschaft symbolisieren – neben dem Glamour der Royals um den verbrecherischen Kaiser Nero.
Regisseurin Florentine Klepper, Hausregisseurin am Theater Basel, zieht die heutige Aktualität des Historienkrimis nicht in Zweifel: «Happy End mit unglaublichen Kollateralschäden», nennt sie das Stück, das sie brillant analysiert hat und ...
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Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Wolfgang Schreiber
Frédéric Chopin liebte die Oper. Er kannte fast alle Werke seiner Zeit, und er paraphrasierte einige davon in seinen Kompositionen. Ein eigenes Werk der Gattung aber schrieb er, obwohl wohlmeinende Freunde ihn dazu drängten, nie. Was Chopin, als er starb, nicht wusste, nicht wissen konnte: Ein anderer war da, der die Lücke füllte – nur ein wenig anders, als es...
Monsieur Dorny, Sie sind 2003 nach Lyon gekommen. Haben Sie erreicht, was Sie sich damals für dieses Opernhaus vorgenommen hatten?
Ein gutes Stück davon habe ich schon geschafft, denke ich. Lyon war in den achtziger und neunziger Jahren mit Chefdirigenten wie John Eliot Gardiner und Kent Nagano ein Haus mit großer Ausstrahlung über die Grenzen Frankreichs hinaus. Es...
Müssen wir in Ildebrando Pizzettis 1958 an der Scala uraufgeführter Oper nach T. S. Eliots Schauspiel «Murder in the Cathedral» ein vergessenes Meisterwerk wiederentdecken? Die Verantwortlichen der Frankfurter Inszenierung – der Regisseur Keith Warner, der Dirigent Martyn Brabbins und der Protagonist John Tomlinson – sagen ja und führen mit ihrer verstörend...
