So krass wie möglich
Die neue Intendantin der Semper-Oper, Ulrike Hessler, ist drauf und dran, die Hörgewohnheiten ihres Publikums neu zu modellieren: Noch nie ist in Dresden Monteverdis spätes Meisterwerk «L’incoronazione di Poppea» produziert worden – am Ende der Aufführung schien das traditionssüchtige Opernpublikum Dresdens Wagner & Strauss völlig vergessen zu haben, es huldigte der Barockoper. Und damit einer modernen Inszenierung, die den Zynismus des Stücks auf die Spitze treibt.
Zum ersten Mal ist der Schauplatz Oper hier von Menschen bevölkert, lebenden Personen der römischen Geschichte, nicht mehr von mythischen Instanzen aus Pappe oder Marmor. Im Prolog streiten zwar noch göttliche Allegorien – Glück, Tugend und Liebe – boshaft um die Vorherrschaft in der Welt. Aber das sind in Dresden lediglich drei altkluge Hostessen, die die römische Unterschicht der Dienerschaft symbolisieren – neben dem Glamour der Royals um den verbrecherischen Kaiser Nero.
Regisseurin Florentine Klepper, Hausregisseurin am Theater Basel, zieht die heutige Aktualität des Historienkrimis nicht in Zweifel: «Happy End mit unglaublichen Kollateralschäden», nennt sie das Stück, das sie brillant analysiert hat und ...
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Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Wolfgang Schreiber
«12 musiktheatralische tableaux» kündigt der Untertitel von Christian Josts Musiktheaterwerk «Hamlet» an – solcherart andeutend, dass er die Handlung zuzuspitzen sucht: auf charakteristische Momente, in denen die Essenz des Ganzen fassbar wäre. Das freilich würde voraussetzen, dass man sich für eine vieler denkbarer Lesarten entschiede: Soll es um die politische,...
Der Kalauer scheint unvermeidlich: Der Mann ärgert sich schwarz. Aber er würde, auch wenn die Aussage im Kern sogar ihr Richtiges hat, auf eine falsche Fährte führen und Eva-Maria Höckmayrs Freiburger «Otello»-Inszenierung banalisieren. Die reicht tiefer. Richtig ist, dass Otello, dem Luis Chapa mächtige tenorale Statur von hoher Durchschlagskraft verleiht, die...
Auf dieses Ereignis hatte man (nicht nur) in Russland lange gewartet – eine Aufführung von Alexander Borodins «Fürst Igor» in einer Version, die auf alle späteren Retuschen und Ergänzungen verzichtet. Das Stück ist seit seiner Uraufführung 1890 in der Bearbeitung von Nikolaj Rimsky-Korsakow und Alexander Glasunow bekannt. Die von Borodin intendierte Urfassung des...
