Sirenen und Schlachtrösser
Auch Sammler historischer Gesangsaufnahmen, die schon (fast) alles zu besitzen glauben, können auf dem quantitativ immer mehr expandierenden Markt ständig neue Entdeckungen machen. Das englische Budget Label Dutton hat nun unter dem Titel «The lighter side of Emmy» eine Sammlung von Schmonzetten publiziert, die für den Geschmack der zwanziger Jahre nicht untypisch waren.
Schumanns «Träumerei» und Tschaikowskys «Nussknacker» in Vokalarrangements, Gefühliges von Grieg und Rubinstein, sentimentale Gesänge von Eulenburg, Granichstädten und Benatzky, dazu das unvermeidliche Vilja-Lied. Dass man sich an dieser Kost nicht den Magen verdirbt, dass man vielmehr gar nicht genug davon bekommen kann, liegt allein an der Interpretin. Der Gesang der andernorts mit schönen Mozart-, Wagner und Verdi-Aufnahmen dokumentierten Emmy Bettendorf (1895-1963) ist sirenengleich betörend, und man müsste sich schon wie die Gefährten des Odysseus die Ohren mit Wachs verstopfen, um dem Kitsch nicht zu erliegen.
Mafalda Favero (1903-1981) war auf das Rollenfach der femme fragile spezialisiert, erfolgreich nicht nur in den Opern Puccinis und der Veristen, sondern auch als Traviata, Massenets Manon und in einigen ...
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Als Patrice Chéreau 1994 in Salzburg Mozarts «Don Giovanni» inszenierte, wagte er ein Tänzchen. Im zweiten Akt, wenn der Verführer seine Canzonetta zur Mandoline säuselt, posierte kein Macho unter dem Balkon von Elviras Zofe, sondern ein halb verrückter Autist begann sich zu drehen, zu steigern, zu verlieren in der Sucht des Eroberns. Es war ein leerer, trippelnder...
Frau Ricciarelli, Sie sind Sängerin, Schauspielerin, künstlerische Direktorin des Festivals von Macerata, zudem unterrichten Sie Sängernachwuchs in der von Ihnen gegründeten Accademia Lirica Internazionale. Wie bewältigen Sie dieses Arbeitspensum?
Ich bin jemand, der seiner Arbeit mit großer Leidenschaft nachgeht. So etwas wie Freizeit kenne ich eigentlich nicht....
Eine Mikrofonstimme hatte James King, der in diesem Jahr achtzig Jahre alt wurde, nie. Wer live erlebt hat, wie er etwa die große Szene des Kaisers in Strauss‘ «Frau ohne Schatten» aufbaute und steigern konnte – und zwar steigern im Sinne einer immer intersiver sich im Raum ausbreitenden, unforcierten Klangfülle –, der weiß, dass ein Mikrofon dergleichen nie...
