Schlucken vor der Einsicht
Als Patrice Chéreau 1994 in Salzburg Mozarts «Don Giovanni» inszenierte, wagte er ein Tänzchen. Im zweiten Akt, wenn der Verführer seine Canzonetta zur Mandoline säuselt, posierte kein Macho unter dem Balkon von Elviras Zofe, sondern ein halb verrückter Autist begann sich zu drehen, zu steigern, zu verlieren in der Sucht des Eroberns. Es war ein leerer, trippelnder Totentanz, ein Abgesang auf den Eros, ein dürrer Kommunikationsversuch, mehr Klage als Tändeln. Ein berückendes Bild, aus dem sich Friedhofsszene und Finale als logische Konsequenzen ergaben.
Wenn Chéreau nun in Aix-en-Provence «Così fan tutte» inszeniert, taucht wieder ein Abschiedstanz auf. Wir sind noch in der Exposition des Stückes, bevor Ferrando und Guglielmo sich als Soldaten verabschieden, um gleich darauf als Tizio und Sempronio die Braut des jeweils anderen zu erobern. Die vier jungen Menschen, die sich nie mehr so finden werden, wie sie sich gerade noch haben, halten sich an den Armen. Sie ziehen sich in Kreisen über die Bühne, zerren sich vorwärts, richtungslos, mühsam Halt aneinander findend. In der Generalpause nach Mozarts in hoffnungslosen Sechzehnteln zuckendem Andante hackt Don Alfonso diesen Reigen mit ...
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Bevor Daniel Barenboim ihn gefragt habe, ob er sich vorstellen könne, in Bayreuth «Tristan und Isolde» zu inszenieren, verriet Heiner Müller vor zwölf Jahren in einem Gespräch mit dieser Zeitschrift (siehe OW 9/93), sei Patrice Chéreau für den Job vorgesehen gewesen. Der jedoch habe abgelehnt: «Tristan» könne man nicht inszenieren, das sei «ein Hörspiel». In der...
Frau Ricciarelli, Sie sind Sängerin, Schauspielerin, künstlerische Direktorin des Festivals von Macerata, zudem unterrichten Sie Sängernachwuchs in der von Ihnen gegründeten Accademia Lirica Internazionale. Wie bewältigen Sie dieses Arbeitspensum?
Ich bin jemand, der seiner Arbeit mit großer Leidenschaft nachgeht. So etwas wie Freizeit kenne ich eigentlich nicht....
Eine Mikrofonstimme hatte James King, der in diesem Jahr achtzig Jahre alt wurde, nie. Wer live erlebt hat, wie er etwa die große Szene des Kaisers in Strauss‘ «Frau ohne Schatten» aufbaute und steigern konnte – und zwar steigern im Sinne einer immer intersiver sich im Raum ausbreitenden, unforcierten Klangfülle –, der weiß, dass ein Mikrofon dergleichen nie...
