Wagner und mehr
Eine Mikrofonstimme hatte James King, der in diesem Jahr achtzig Jahre alt wurde, nie. Wer live erlebt hat, wie er etwa die große Szene des Kaisers in Strauss‘ «Frau ohne Schatten» aufbaute und steigern konnte – und zwar steigern im Sinne einer immer intersiver sich im Raum ausbreitenden, unforcierten Klangfülle –, der weiß, dass ein Mikrofon dergleichen nie einfangen kann. Kings gaumiger, kerniger Klang in der tiefen Lage war kein Knödel, sondern Bestandteil eines natürlich gewachsenen Timbres, sonst wären dem Tenor Partien wie Manrico oder Radames gar nicht möglich gewesen.
Die karge Diskografie seiner italienischen Partien wird nun vom Label Orfeo durch Ausschnitte aus «Otello» ergänzt. Wie bei den anderen Takes mit Wagner- und Strauss-Szenen handelt es sich um Mitschnitte von Münchner Rundfunkkonzerten. In seinen Memoiren erklärt King, Otellos Tod sei das Wichtigste in Otellos Leben: der Moment nämlich, wo er erkenne, dass Desdemonas Tod weniger die Folge einer Intrige ist, als vielmehr die seiner eigenen Charakterschwäche. Aus dieser Einsicht in ein Verantwortungsgefühl gestaltet King denn auch die Szene des vierten Aktes: Trauerflor ohne Selbstmitleid. Die anderen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Inwieweit Carl Eberts Mozart-Inszenierungen, mit denen die Festspiele in Glyndebourne in den dreißiger Jahren eingeleitet und schlagartig berühmt wurden, einem kritischen Blick von heute standhalten würden, lässt sich aus Mangel an Filmdokumenten nicht sagen. Doch dass die musikalischen Interpretationen Fritz Buschs über Jahrzehnte ihren maßstäblichen Charakter...
Bevor Daniel Barenboim ihn gefragt habe, ob er sich vorstellen könne, in Bayreuth «Tristan und Isolde» zu inszenieren, verriet Heiner Müller vor zwölf Jahren in einem Gespräch mit dieser Zeitschrift (siehe OW 9/93), sei Patrice Chéreau für den Job vorgesehen gewesen. Der jedoch habe abgelehnt: «Tristan» könne man nicht inszenieren, das sei «ein Hörspiel». In der...
Frau Harms, an der Deutschen Oper Berlin arbeiten Sie eng mit dem Team zusammen, das Ihre Zeit an der Kieler Oper geprägt hat: mit Regisseur Alexander von Pfeil, Ihrem Chefdramaturgen Andreas K. W. Meyer, der Dramaturgin Katharina John und mit Ihrem Mann, dem Bühnen- und Kostümbildner Bernd Damovsky. Wird Berlin Groß-Kiel? Wird es einen «Deutsche-Oper-Look»...
