Singen von der Vergangenheit
Die Faszination von Musikern aus dem United Kingdom für die tschechische Musik ist ein Phänomen. Charles Mackerras war lange Zeit der führende Dirigent in Sachen Janáček, in seine Rolle ist mittlerweile Simon Rattle geschlüpft. Brian Large wiederum, der führende Opern- und Klassik-TV-Regisseur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, berichtet in seiner kürzlich erschienenen, äußerst lesenswerten Autobiographie von seiner tiefen Tschechien-Begeisterung. In seinem Fall ging sie von Musik und Person Bohuslav Martinůs aus. Eine Janáček-Biographie hatte er geplant.
Was macht die Verbundenheit aus? Woher die Faszination? Ist es – im Fall von Janáček – die Freude am Exotismus, der diese Musik durchaus charakterisiert? Fühlen sich die späten Söhne eines Seefahrervolks besonders davon angezogen? Von Partituren, die es wie fremde Landkarten erst einmal zu entschlüsseln gilt?
Simon Rattle hat an der Staatsoper Unter den Linden nun einen Janáček-Zyklus mit den sechs gängigen Opern des Komponisten zum Abschluss gebracht – ein Projekt, das über einen Zeitraum von 15 Jahren reichte. Im «Schlauen Füchslein» ist noch einmal zu bestaunen, was Rattles Dirigieren im Fall von Janáček ausmacht: die ...
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Opernwelt April 2026
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Clemens Haustein
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