Singen von der Vergangenheit

Janáček: Das schlaue Füchslein an der Staatsoper unter den Linden Berlin

Opernwelt - Logo

Die Faszination von Musikern aus dem United Kingdom für die tschechische Musik ist ein Phänomen. Charles Mackerras war lange Zeit der führende Dirigent in Sachen Janáček, in seine Rolle ist mittlerweile Simon Rattle geschlüpft. Brian Large wiederum, der führende Opern- und Klassik-TV-Regisseur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, berichtet in seiner kürzlich erschienenen, äußerst lesenswerten Autobiographie von seiner tiefen Tschechien-Begeisterung. In seinem Fall ging sie von Musik und Person Bohuslav Martinůs aus. Eine Janáček-Biographie hatte er geplant.

Was macht die Verbundenheit aus? Woher die Faszination? Ist es – im Fall von Janáček – die Freude am Exotismus, der diese Musik durchaus charakterisiert? Fühlen sich die späten Söhne eines Seefahrervolks besonders davon angezogen? Von Partituren, die es wie fremde Landkarten erst einmal zu entschlüsseln gilt?

Simon Rattle hat an der Staatsoper Unter den Linden nun einen Janáček-Zyklus mit den sechs gängigen Opern des Komponisten zum Abschluss gebracht – ein Projekt, das über einen Zeitraum von 15 Jahren reichte. Im «Schlauen Füchslein» ist noch einmal zu bestaunen, was Rattles Dirigieren im Fall von Janáček ausmacht: die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2026
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Clemens Haustein

Weitere Beiträge
Il trionfo del teatro e del bel canto

Draußen vor der Tür poltert die Tram über die Schienen, drinnen wartet einer vergebens darauf, dass sie kommt. Stattdessen pocht Fortuna an die Pforten, ganz vorsichtig, pianissimo, zugleich mit größter Intensität, con espressione und vom Orchester der Wiener Staatsoper unter der Leitung von Michele Mariotti eindrücklich musiziert: wie ein Damoklesschwert aus...

Verdeckte Umverteilung

In Österreich dreht sich der Wind und pfeift der Hochkultur hart ins Gesicht. Das bisher herrschende Einverständnis über die Unantastbarkeit traditionsreicher Institutionen scheint außer Kraft gesetzt. Man bemerkt das veränderte Klima aktuell am forschen Umgang mit dem Intendanten der Salzburger Festspiele, Markus Hinterhäuser, und man spürt es erdrutschartig in...

Vorsicht, Höhengefahr

Höhere Mächte? Werden nicht sichtbar in der Oper «Rusalka». Wankelmütige Wasserwesen und finstere Frauengestalten hingegen schon. Und wenn gegen diese nichts mehr hilft, kann man immer noch Frau Luna droben am nächtlichen Firmament flehentlich anheulen. So naturschön, so inniglich-irrlichternd wie die trübselige Titelheldin von Dvořáks Musikdrama vermag dies kaum...