Il trionfo del teatro e del bel canto
Draußen vor der Tür poltert die Tram über die Schienen, drinnen wartet einer vergebens darauf, dass sie kommt. Stattdessen pocht Fortuna an die Pforten, ganz vorsichtig, pianissimo, zugleich mit größter Intensität, con espressione und vom Orchester der Wiener Staatsoper unter der Leitung von Michele Mariotti eindrücklich musiziert: wie ein Damoklesschwert aus Tönen.
Über staubtrockenen Staccato-Achteln und -Vierteln dringt, stetig crescendierend, eine punktierte Streicherlinie in der Schicksalstonart c-Moll durchs Dunkel und lässt schon zu diesem Zeitpunkt wenig Zweifel am tragischen Ausgang von Verdis «Luisa Miller» (der tragischer kaum sein könnte, das Stück endet, als Donnerhall aus der Hölle, in es-Moll). Doch hält die monothematisch gefasste Sinfonia noch ein weiteres Motiv bereit, und dies hat Verdi in seinem Melodramma tragico jenem Instrument überlassen, das auch im weiteren Verlauf für Luisas innere Stimme steht – der Klarinette. Später, im dritten Akt, wenn die Titelheldin auf nächtlich finsterer, fast komplett leerer Bühne (nur die weiße Kommode mit ihren Puppen steht noch am linken Rand) auf ihren verzweifelten Vater trifft, in einem anrührenden f-Moll-Andante schöne ...
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Opernwelt April 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Jürgen Otten
Am Anfang war das heilige Wort, am Ende steht das losgelassene Mundwerk: Auf diese laxe Formel könnte man die 1000-jährige Entwicklung von der einstimmigen Gregorianik zur experimentellen Avantgarde der Gegenwart bringen, die das Wort zertrümmert, seine Semantik negiert und es in seine phonetischen wie akustischen Bestandteile zerlegt. Das Singen selbst wird zu...
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