Sie lächeln wieder
Diese Oper gehört allen.» So deutlich und unverblümt sagt es Myung-Whun Chung in seiner kurzen Begrüßungsrede, zu der ihn der Bürgermeister Venedigs in die prächtig dekorierten Sale Apollinee gebeten hat. Der koreanische Dirigent kommt geradewegs von der erfolgreichen «Falstaff»-Premiere, mit der die neue Saison am Teatro La Fenice eröffnet worden ist. Wie so viele Male zuvor, ist Chung, der im Januar 70 wird, auch diesmal wieder vom Auditorium gefeiert worden. Den Erfolg widmet er allen, die an der Neuproduktion mitgewirkt haben.
Beim offiziellen Festessen, zu dem Fenice-Intendant Fortunato Ortombina eingeladen hat, sieht man indes nur ausgesuchte Teile des Publikums sowie Vertreter der nationalen und der Stadtregierung.
Die Spielzeiteröffnung des Teatro La Fenice wird nicht mit dem gleichen offiziellen Prunk begangen wie die des Teatro alla Scala in Mailand am Ambrosius-Tag. Dennoch gerät sie diesmal zu einem außerordentlichen Ereignis, und das hat einen so schlichten wie schönen Grund: Nach zwei traurig-gequälten Corona-Spielzeiten ist das Lächeln zurückgekehrt. Auch deshalb hat die Theaterleitung Giuseppe Verdis letztes Bühnenwerk ausgesucht, seine einzige komische Oper nach ...
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Opernwelt Januar 2023
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Stefano Nardelli
Dieses barocke Wunderwerk des Marc-Antoine Charpentier von 1688 kommt offiziell als alttestamentarische Tragédie biblique daher, es erzählt vom ersten jüdischen König Samuel, von dessen Sohn Jonathas und von deren intrigengespanntem Verhältnis zum späteren König David in einer Phase des Krieges: «Und es begab sich zu der Zeit, dass die Philister ihr Heer sammelten,...
Ja selbst die Dümmsten, ja, die wirklich Doofen,
Die wissen: Hier, der Dings aus Bonn, der Typ
Der taub war und der deshalb ganz schön trüb
Gelaunt war und viel Zeit vor’m Zimmerofen
Verbrachte und den Rest der Zeit die Strophen
Der neunten Symphonie nach Schiller schrieb
Und dabei immer nur Zuhause blieb,
Ganz heiß gar auf stets neue Katastrophen!
Wie hieß der...
Und der alte Cherubini? Das ist doch ein einziger Kerl! Ich habe da seine Abenceragen und kann nicht aufhören, mich an diesem petillanten Feuer, an den geistreichen eigenthümlichen Wendungen, an der außerordentlichen Zierlichkeit und Feinheit, mit der Alles geschrieben ist, zu erfreuen [...]. Dabei ist alles so frei und keck und so höchst lebendig». Das schreibt...
