Sie lächeln wieder
Diese Oper gehört allen.» So deutlich und unverblümt sagt es Myung-Whun Chung in seiner kurzen Begrüßungsrede, zu der ihn der Bürgermeister Venedigs in die prächtig dekorierten Sale Apollinee gebeten hat. Der koreanische Dirigent kommt geradewegs von der erfolgreichen «Falstaff»-Premiere, mit der die neue Saison am Teatro La Fenice eröffnet worden ist. Wie so viele Male zuvor, ist Chung, der im Januar 70 wird, auch diesmal wieder vom Auditorium gefeiert worden. Den Erfolg widmet er allen, die an der Neuproduktion mitgewirkt haben.
Beim offiziellen Festessen, zu dem Fenice-Intendant Fortunato Ortombina eingeladen hat, sieht man indes nur ausgesuchte Teile des Publikums sowie Vertreter der nationalen und der Stadtregierung.
Die Spielzeiteröffnung des Teatro La Fenice wird nicht mit dem gleichen offiziellen Prunk begangen wie die des Teatro alla Scala in Mailand am Ambrosius-Tag. Dennoch gerät sie diesmal zu einem außerordentlichen Ereignis, und das hat einen so schlichten wie schönen Grund: Nach zwei traurig-gequälten Corona-Spielzeiten ist das Lächeln zurückgekehrt. Auch deshalb hat die Theaterleitung Giuseppe Verdis letztes Bühnenwerk ausgesucht, seine einzige komische Oper nach ...
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Opernwelt Januar 2023
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Stefano Nardelli
Wir nehmen an, es war eisig kalt an diesem 27. Februar 1675 in London und vermutlich neblig dazu. Draußen zumindest. Drinnen aber, im frisch renovierten Dorset Garden Theatre, brannte sogar die Luft. Ein Spektakel gab es da zu erleben, das seinesgleichen suchte, mit Höllenund Himmelsmaschinen, üppigen Kostümen, frech-frivolen Tanzeinlagen und einer hinreißenden wie...
Diesen Lapsus würde kein Lektor seinem Autor durchgehen lassen: Als Leonore in das Verlies hinabsteigt, wo ihr Gatte Florestan seit zwei Jahren wie ein Tier gehalten wird, erschießt sie mal eben schnell einen anderen Gefangenen, um sich sodann liebevoll ihrem unglücklichen Manne zuzuwenden. Ein schockierender Moment, nicht weil plötzlich die Pistole knallt, sondern...
Ungeliebte Schwestern sind sie beide, sind es im Grunde seit dem Tag, an dem sie das Licht der Welt erblickten. Während den Puschkin’schen Schöpfungen «Eugen Onegin» und «Pique Dame» sowie, wenngleich seltener, auch «Jolanthe» bis heute kontinuierlich ein Logenplatz zugewiesen wird, saßen sowohl die «Jungfrau von Orléans» (Jahrgang 1881) als auch die wesentlich...
