Sex, Lügen und Hollywood
An wundersame Wasserwesen, an Undinen, kleine Meerjungfrauen, Mädchen mit Fischschwänzen können wir kaum mehr glauben. Er sei ihnen gut, bekannte noch der alte Wagner am Vorabend seines Todes, und lauschte den Klagen seiner Rheintöchter nach, aber das ist lange her. Was da webt und west, sind ja, wir wissen es, bloß männliche Projektionen. Die Wirklichkeit ist anders, und für das Regieduo Philipp Stölzl/Philipp M. Krenn ist Rusalka eine heroinsüchtige Sexarbeiterin an einem dekorativ heruntergekommenen Straßenstrich in New York Anfang der 1960er-Jahre.
Alles da, die Feuertreppen und Mülltonnen, die Gewalt-Gangs von New York, und wenn es Winter ist, rieselt unentwegt Schnee und es dampft aus dem Gullydeckel. Rusalka muss da raus, soviel ist klar, und es wird, bis zu ihrem traurigen letzten Schuss am Ende, wenn alle Illusionen perdu sind, nicht gutgehen.
Stölzl und Krenn zeigen den Untergang der armen Rusalka im Spannungsfeld von gleich drei Industrien, die für die gewerbsmäßige Fabrikation von Träumen zuständig sind: Sex, Hollywood, Beauty. Deshalb muss die arme Rusalka, der Johanni van Oostrum leidensinnige, anrührende Glockenhöhen mitgibt, ins Haar- und Nagelstudio der Jezibaba ...
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Opernwelt August 2023
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Holger Noltze
JUBILARE
Gisela Ehrensperger kam am 10. August 1943 in Wiesbaden zur Welt. Nach einem privaten Gesangsstudium in Zürich wechselte sie im Rahmen ihres ersten Engagements 1965 nach St. Gallen und wurde zwei Jahre später ans Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz verpflichtet, dem sie bis 2007 als Ensemblemitglied angehörte. In ihrer mehr als 40-jährigen...
Wir sind am Schluss jetzt von dem ganzen «Ring».
Wir sind am Rhein – und nicht in Paderborn.
Es singt und singt halt jeweils eine Norn.
Man fleht, oh lieber Gott: «Mach aus das Ding!»
Doch er – der Richi – spinnt erst noch Intrigen,
Die uns nun wirklich nicht mehr int’ressieren.
Die Notdurft tut alsbald schwer zu pressieren,
Doch sitzt man fest und will sich schier...
Seit der Antike weiß man es: «Habent sua fata libelli» – Bücher haben ihr Schicksal. Ein Schicksal haben auch Opern. Und selten ein gutes, wenn sie berühmten Büchern folgen. Als Lorin Maazels «1984» vor 18 Jahren an Londons Covent Garden uraufgeführt wurde, fielen die Kritiken ungnädig aus. Man stieß sich an U-musikalischen Einsprengseln, daran, dass die Oper nicht...
