Im Spinnennetz Fortunas
Der Versuch des Theaters Osnabrück, Jaromír Weinbergers vergessene Oper über Wallenstein, den bekanntesten Heerführer des Dreißigjährigen Krieges, für die Bühne zurückzugewinnen, besaß zwei starke Momente – den schockhaften Beginn und das quälende Ende. Den Anfang setzt nicht die Musik, sondern unter ohrenbetäubendem Sirenenalarm ein optisches Zitat – die «stumme Kattrin» aus Brechts «Mutter Courage», eine junge, in einem Einkaufswagen hockende Frau, die sich, eine Militärtrommel auf den Knien, in panischer Angst die Ohren zuhält.
Am Ende senkt sich der riesige Rundspiegel herab, den Timo Dentler über die apokalyptische Kriegsszenerie gewuchtet hat. Zu den Klängen eines dumpfen Trauermarschs sehen wir den zuvor unsichtbar in der Unterbühne ermordeten Wallenstein, sich wie im tödlichen Netz einer Spinne – zusammen mit uns selbst, dem Publikum – spiegeln. In diesen wenigen Minuten besaß der ansonsten zäh dahinfließende Abend bannende Aktualität.
Die Stückwahl war naheliegend und konnte dennoch nicht überzeugen. Der tschechische Jude Weinberger gehört zu den zahlreichen Künstlern, deren Werke der NS-Diktatur zum Opfer fielen. Seine Erfolgsoper «Schwanda, der Dudelsackpfeifer» ...
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Opernwelt August 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Uwe Schweikert
Frau Garanča, wie viele Sprachen beherrschen Sie eigentlich?
Sechs.
Und warum sprechen Sie so bestechend gut Deutsch?
Deutsch habe ich in Deutschland gelernt. 1999, als ich ans Staatstheater Meiningen kam. Gezwungenermaßen, würde ich fast sagen. Da musste ich mir Deutsch beibringen. Nicht, dass ich gezwungenermaßen nach Meiningen kam! (lacht) Ich war ja sozusagen...
Über den Schluss von Wagners «Götterdämmerung» ist viel gerätselt worden. Der Komponist zog sich im orchestralen Nachspiel zurück auf ein Thema, das seit seinem ersten Auftreten im dritten Akt der «Walküre» nie mehr erklungen war. In der Regieanweisung ist von «Männern und Frauen» die Rede, die «in höchster Ergriffenheit» dem Brand Walhalls zuschauen – bislang...
Mit dem Libretto von Alice Goodman war wohl der Komponist von «Nixon in China» – der nicht gerade mit geringem Selbstbewusstsein beschenkte John Adams – nicht sehr zufrieden. Tatsächlich knarzt es im Text hier und da doch gewaltig hölzern und gewollt. Sicher, das Stück ist selbst ja schon als eine Farce angelegt, die der politischen Situation zwischen den USA und...
