Im Spinnennetz Fortunas
Der Versuch des Theaters Osnabrück, Jaromír Weinbergers vergessene Oper über Wallenstein, den bekanntesten Heerführer des Dreißigjährigen Krieges, für die Bühne zurückzugewinnen, besaß zwei starke Momente – den schockhaften Beginn und das quälende Ende. Den Anfang setzt nicht die Musik, sondern unter ohrenbetäubendem Sirenenalarm ein optisches Zitat – die «stumme Kattrin» aus Brechts «Mutter Courage», eine junge, in einem Einkaufswagen hockende Frau, die sich, eine Militärtrommel auf den Knien, in panischer Angst die Ohren zuhält.
Am Ende senkt sich der riesige Rundspiegel herab, den Timo Dentler über die apokalyptische Kriegsszenerie gewuchtet hat. Zu den Klängen eines dumpfen Trauermarschs sehen wir den zuvor unsichtbar in der Unterbühne ermordeten Wallenstein, sich wie im tödlichen Netz einer Spinne – zusammen mit uns selbst, dem Publikum – spiegeln. In diesen wenigen Minuten besaß der ansonsten zäh dahinfließende Abend bannende Aktualität.
Die Stückwahl war naheliegend und konnte dennoch nicht überzeugen. Der tschechische Jude Weinberger gehört zu den zahlreichen Künstlern, deren Werke der NS-Diktatur zum Opfer fielen. Seine Erfolgsoper «Schwanda, der Dudelsackpfeifer» ...
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Opernwelt August 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Uwe Schweikert
Die französische Barockoper fristete lange Zeit ein Aschenbrödel-Dasein im Bewusstsein der Musikwelt und tut dies hierzulande noch immer. Der deutsche Opernfreund, der sie auf der Bühne viel zu selten erlebt, ist weiterhin auf den Tonträgermarkt angewiesen, kann aber, was noch vor 30 Jahren niemand vorauszusagen gewagt hätte, in die Vollen greifen. Das...
In ihrem neuesten Soloalbum spürt die italienische Mezzosopranistin Anna Bonitatibus einer Gattung nach, die mit dem Ende des Barockzeitalters ausstarb – der weltlichen Solo-Kantate. Ihren Höhepunkt besaß diese um die Wende des 17. zum 18. Jahrhundert in Italien und Frankreich. Mit Stoffen vornehmlich aus dem Bereich der Bukolik, aber auch der antiken Mythologie,...
Mit dem Libretto von Alice Goodman war wohl der Komponist von «Nixon in China» – der nicht gerade mit geringem Selbstbewusstsein beschenkte John Adams – nicht sehr zufrieden. Tatsächlich knarzt es im Text hier und da doch gewaltig hölzern und gewollt. Sicher, das Stück ist selbst ja schon als eine Farce angelegt, die der politischen Situation zwischen den USA und...
