Arbeit am Mythos
Maria Callas ist ein Mythos und im öffentlichen Bewusstsein zweifelsohne die bekannteste, wirkungsmächtigste Sängerin des 20. Jahrhunderts. Eva Gesine Baur hat sich mit ihrer zum 100. Geburtstag erschienenen Biografie das hohe Ziel gesetzt, «die eigentliche Callas auszugraben». Gleich im Vorspann beklagt sie, «dass die Neugier für Maria Callas als Frau das Interesse an der Künstlerin zudeckt». Was deren «epochale Leistung» ausmache, sei «heute aber kaum jemandem bewusst». Leider löst Baur von den Vorsätzen, dies zu zeigen, nichts ein.
Im Gegenteil, sie wiederholt den sensationslüsternen Klatsch der kaum mehr überschaubaren Erinnerungsliteratur wie der Boulevardpresse. Das macht das überdies oft geradezu unerträglich geschwätzige Buch, das ein strenges und fachkundigeres Lektorat nötig gehabt hätte, zur quälenden Lektüre.
Dabei trifft Baurs zentraler Ansatz, das Doppelleben der Callas als Künstlerin und Frau zu untersuchen – «nach außen die selbstbewusste Diva, kämpferisch und kompromisslos, privat eine devote Frau» –, exakt den existentiellen Riss, den inneren Zweikampf «Maria gegen Callas», der nicht erst durch die Liebe zu Onassis in ihr Leben getreten ist, sondern dieses von ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 38
von Uwe Schweikert
Über Händels Humor ist nicht allzu viel bekannt. Dass er ihn angesichts der logistischen Schwierigkeiten im Londoner Opernleben seiner Zeit gehabt haben muss, das hingegen steht außer Zweifel. Richtig schlimm wurde es für den komponierenden Impresario (oder, je nach Blickwinkel: den geschäftsführenden Komponisten) in den 1730er-Jahren, als die Konkurrenz, die unter...
Herr Scholl, frei nach Udo Jürgens: «Mit 55 Jahren …»
(lacht und singt) Mit 55 Jahren, da fängt das Leben an …
Fängt es womöglich für Sie als Bariton an?
Nun ja, der Bariton ist in meiner Kehle immer ein Fremdkörper gewesen. Ich habe im Kiedricher Knabenchor angefangen zu singen, dem zweitältesten Knabenchor Deutschlands, und meine Countertenorstimme ist die...
Die französische Mezzosopranistin Eva Zaïcik, eine der schönsten jüngeren Stimmen der Barockmusik, hat ihre neueste CD «Mayrig» mit Liedern der armenischen Komponisten Komitas (1869–1935) und Garbis Aprikian (*1926) den «armenischen Müttern» gewidmet. Das faszinierende Programm, das uns in die ferne, fremde musikalische Welt des Kaukasus entführt, enthält auch...
