Kathartisch, praktisch, gut
Mit dem Libretto von Alice Goodman war wohl der Komponist von «Nixon in China» – der nicht gerade mit geringem Selbstbewusstsein beschenkte John Adams – nicht sehr zufrieden. Tatsächlich knarzt es im Text hier und da doch gewaltig hölzern und gewollt. Sicher, das Stück ist selbst ja schon als eine Farce angelegt, die der politischen Situation zwischen den USA und China vor rund 50 Jahren «entspricht».
Im Februar 1972 flog der damalige US-Präsident Richard Nixon (im «Gepäck» seine Frau Pat, die im Stück selbst immer mal wieder zur Quasi-Hauptperson wird) bekanntlich mit dem unlängst 100 Jahre alt gewordenen (damaligen Staatssekretär) Henry Kissinger nach China, um dort Premierminister Chou En-lai und den schwerkranken Mao zu treffen.
Die überlieferten Bilddokumente der historischen fünf Tage dieses absurden Trips gingen dank einer großen medialen Inszenierung um die ganze Welt: ein (fragwürdiges?) «Vorbild» aller heutigen Nachrichtenbeiträge über Politikerreisen inklusive Handschlag, Begegnung mit der einheimischen Bevölkerung und einem reichhaltigen (in der Gestaltung von John Adams zum Albtraum degenerierenden) Sightseeing-Programm. Eine Oper, die gegenwärtig in Koblenz, Paris, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 31
von Arno Lücker
Gian Carlo Menotti ist ein junger Mann, als er auf die Frage, wie er es geschafft hat, die Bürokratie zu überwinden, um in einer kleinen Stadt im grünen Herzen Italiens ein neues Festival ins Leben zu rufen, antwortet: «Glaube, Beharrlichkeit und Glück». Man schreibt das Jahr 1959, Menotti arbeitet schon seit mindestens drei Jahren an der Idee, völkerverbindende...
In ihrem neuesten Soloalbum spürt die italienische Mezzosopranistin Anna Bonitatibus einer Gattung nach, die mit dem Ende des Barockzeitalters ausstarb – der weltlichen Solo-Kantate. Ihren Höhepunkt besaß diese um die Wende des 17. zum 18. Jahrhundert in Italien und Frankreich. Mit Stoffen vornehmlich aus dem Bereich der Bukolik, aber auch der antiken Mythologie,...
Mit ihren siamesischen Zwillingen «Cavalleria rusticana» und «Pagliacci» eilten Ruggero Leoncavallo und Pietro Mascagni von Erfolg zu Erfolg. Auf sich allein gestellt war keine ihrer weiteren Opern lebensfähig. Leoncavallo, der sensiblere der beiden Zwangsverbundenen, absolvierte dabei eine ästhetische Achterbahnfahrt von der Grand Opéra über den Verismo-Thriller...
