Kathartisch, praktisch, gut
Mit dem Libretto von Alice Goodman war wohl der Komponist von «Nixon in China» – der nicht gerade mit geringem Selbstbewusstsein beschenkte John Adams – nicht sehr zufrieden. Tatsächlich knarzt es im Text hier und da doch gewaltig hölzern und gewollt. Sicher, das Stück ist selbst ja schon als eine Farce angelegt, die der politischen Situation zwischen den USA und China vor rund 50 Jahren «entspricht».
Im Februar 1972 flog der damalige US-Präsident Richard Nixon (im «Gepäck» seine Frau Pat, die im Stück selbst immer mal wieder zur Quasi-Hauptperson wird) bekanntlich mit dem unlängst 100 Jahre alt gewordenen (damaligen Staatssekretär) Henry Kissinger nach China, um dort Premierminister Chou En-lai und den schwerkranken Mao zu treffen.
Die überlieferten Bilddokumente der historischen fünf Tage dieses absurden Trips gingen dank einer großen medialen Inszenierung um die ganze Welt: ein (fragwürdiges?) «Vorbild» aller heutigen Nachrichtenbeiträge über Politikerreisen inklusive Handschlag, Begegnung mit der einheimischen Bevölkerung und einem reichhaltigen (in der Gestaltung von John Adams zum Albtraum degenerierenden) Sightseeing-Programm. Eine Oper, die gegenwärtig in Koblenz, Paris, ...
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Opernwelt August 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 31
von Arno Lücker
Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
Im Orchestergraben zu weinen ist natürlich schwierig, aber als Zuschauer geht mir «Wotans Abschied» in der «Walküre» sehr nah.
Wo würden Sie ein Opernhaus bauen?
In Zermatt, wenn es genug Platz gäbe!
Ihr Geheimrezept fürs Überleben während der Proben?
Ein guter Teamgeist.
Welche Oper halten Sie für überschätzt?
Sagen wir...
Frau Garanča, wie viele Sprachen beherrschen Sie eigentlich?
Sechs.
Und warum sprechen Sie so bestechend gut Deutsch?
Deutsch habe ich in Deutschland gelernt. 1999, als ich ans Staatstheater Meiningen kam. Gezwungenermaßen, würde ich fast sagen. Da musste ich mir Deutsch beibringen. Nicht, dass ich gezwungenermaßen nach Meiningen kam! (lacht) Ich war ja sozusagen...
Das Warten auf den (musikalischen) Höhepunkt kann in Claudio Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» eine halbe Ewigkeit dauern. Am Theater Bremen sind es gerade mal zwei Stunden und 30 Minuten, bis sich die Stimmen von Nerone und Poppea in «Pur ti miro, pur ti godo» ineinander verschlingen dürfen, weil der Komponist das Melos der Musik und der Sprache seiner...
