Serienkiller

Britten: Peter Grimes Dortmund / Opernhaus

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Blutüberströmt liegt die Leiche des jungen John im Bett. Als sich die wütende Meute aus dem Dorf dem Haus des ­Fischers Peter Grimes nähert, hat der sein nächstes Opfer längst geschlachtet. Grimes scheint verwirrt, spricht noch mit dem Gehilfen. Montagu Slaters Libretto erzählt die Geschichte ­etwas anders, da lebt der Junge noch. Doch in Tilman Knabes Dortmunder Inszenierung wirft sich Grimes den Toten in einem Plastiksack über die Schulter, säubert schnell die Wohnung und rennt davon. Die Spurensicherung würde sicher noch eine Menge Beweise finden.

Aber die Dörfler ziehen nach kurzer Suche wieder ab.

An der Oper Dortmund ist Peter Grimes ein Serienkiller. Er versucht seine Triebe zu beherrschen, doch wenn er Knaben sieht, bricht seine dunkle Seite durch. Er misshandelt die Kinder, die er sich aus einem Waisenhaus holt. Auch Ellen ­Orford zerschlägt er das Gesicht. Nicht obwohl, sondern weil sie ihn liebt, an einen guten Kern in ihm glaubt und zu vielen Opfern bereit ist, um diesen hervorzukehren – dadurch kommt sie ihm zu nahe. Die Gewalt erwächst aus der Angst, berührt zu werden. Peter Grimes ist auch ein Liliom.

Diese Interpretation des Stücks erinnert an heutige Psychothriller ...

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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Stefan Keim

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