Kunsthandlungen in Weiß
Im alten Japan war Weiß die Farbe des Todes und der Trauer. Bei Romeo Castelluccis neuester Kunstanstrengung, die sich an die Inszenierung von Bachs «Matthäus-Passion» wagt, erinnert das allgegenwärtige Weiß weniger an buddhistische Trauerrituale als vielmehr an jenes Weiß, das in Galerien und Museen als Hintergrund der Präsentation von (zeitgenössischer) Kunst dient. Der White Cube ist längst selbst zum Signum der Kunst geworden, denn er objektiviert die in ihm positionierten Objekte und adelt sie durch seine kühle Zurückhaltung.
Der Hamburger Intendant Georges Delnon kennt sich besser als die meisten seiner Kollegen mit den Usancen der aktuellen Kunst und ihren ästhetischen Ritualen aus. Schließlich kommt er aus Basel, wo mit der Art Basel die hippste Kunstmesse der Welt alljährlich Furore macht, und hat dortselbst mit der Messe das Format «Art on stage» erfunden. Nicht zufällig konzipierte er natürlich auch Castelluccis «Matthäus-Passion» bewusst nicht fürs Opernhaus am Gänsemarkt, sondern zog für nur drei Aufführungen in die Deichtorhallen, Hamburgs fortschrittlichsten Kunst-Ort.
Diese markanten Bezüge zur Gegenwartskunst sind gewollt. Vieles, was an diesem pausenlosen ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Regine Müller
Philippe Boesmans ist nicht der erste, aber der bislang erfolgreichste Komponist, der Arthur Schnitzlers «Reigen» auf die Opernbühne brachte. Das «erektiefste» Stück , so das Bonmot des Schnitzler-Freundes Richard Beer-Hofmann, das bei seiner Uraufführung einen Theaterskandal auslöste, bietet mit seiner Variationsstruktur des Immergleichen – zehn Paare finden sich...
Dieser Tage jährte sich zum 400. Male der Todestag des Dichters aus Warwickshire, der England als Kulturnation so recht auf die Landkarte setzte. Gern wird ja angezweifelt, dass es tatsächlich dieser Handschuhmachersohn mit Namen William Shakespeare war und nicht eine der fiktiven Figuren, die im von Literaturdetektiven im Laufe der Zeit als Alternativautoren...
Die Vergangenheit schien lange Zeit rosig. Karl Goldmarks «Königin von Saba» aus dem «Carmen»-Jahr 1875 war viele Jahre ein großer Erfolg. Dann geriet sie in Vergessenheit, erst allmählich kehrt sie auf die Spielpläne zurück: 2002 in Mannheim, 2015 in Freiburg. Diese letzte Produktion (siehe OW 6/2015) liegt nun auf CD vor. Während man für die Aufführungen im...
