Seltsam unpersönlich
Warum William Shakespeares «Wintermärchen» als Problemstück gilt, liegt auf der Hand: Es enthält Stoff für mindestens zwei Dramen. Das Erste geht so: Leontes, König von Sizilien, wirft in einem Anfall unbegründeter Eifersucht seine hochschwangere Frau Hermione ins Gefängnis, ihr Neugeborenes lässt er beiseiteschaffen. Zu spät bestätigt das Orakel von Delphi die Unschuld der Gattin, der Familienstress hat den Sohn und Erben Mamilius bereits dahingerafft, auch die Königin bricht zusammen.
Folgt ein Zeitsprung von 16 Jahren, danach das zweite Stück: Perdita («die Verlorene»), als Findelkind bei einem Hirten in Böhmen aufgewachsen, verliebt sich in einen schmucken Königssohn. Die unstandesgemäße Verbindung bringt dessen Vater in Rage, das Paar flieht nach Sizilien. Der König des fernen Reiches erkennt in dem Mädchen seine Tochter wieder – sie hat also doch blaues Blut! Aber es kommt noch besser: Perditas Prinz ist der Sohn des Mannes, dem der König einst eine Affäre mit seiner Frau unterstellte. Leontes erkennt sein Töchterchen, eine Statue seiner Frau erwacht zum Leben, alle sind glücklich vereint.
An dieser Romanze ist schon mancher Regisseur gescheitert. Was tun mit der ...
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Opernwelt April 2017
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Wiebke Roloff
HELMUT LACHENMANN
«Das Mädchen mit den Schwefelhölzern», 1997 in Hamburg uraufgeführt und seither vielfach nachgespielt, ist sein erfolgreichstes Werk. Weniger prominent sind die anderen Vokalstücke, die der 81-Jährige geschrieben hat. Was bedeutet ihm die menschliche Stimme? Instrument unter Instrumenten? Ein Gespräch
ARIADNE AM POLARKREIS
Vom norwegischen Bodø...
Dieses Bild: be(d)rückend trist. Ein Alptraum. Einsam, verlassen liegt da, auf leerer Bühne, die Königstochter, maskiert, in sich gewendet, zernichtet und doch angeweht von metaphysischer Seligkeit, um sich herum spiegelverzerrte Videosequenzen der Erinnerung (Voxi Bärenklau). Nur noch eines will sie, das Ende. Und so singt Ana Durlovski sich diesen Wunsch nach dem...
Barockoper am Stadttheater? Eine Herausforderung. Nicht selten ein Problem. Aber es geht, wenn niemand sich bange machen lässt. Der jüngste Beweis: Händels «Julius Cäsar» in Freiburg. An einem Ort also, der Heimstatt eines weltweit aktiven Spezialensembles ist. Um das Hausorchester kümmerte sich ein in Mitteleuropa noch kaum bekannter Gastdirigent erster Güte: der...
