Seltsam unpersönlich
Warum William Shakespeares «Wintermärchen» als Problemstück gilt, liegt auf der Hand: Es enthält Stoff für mindestens zwei Dramen. Das Erste geht so: Leontes, König von Sizilien, wirft in einem Anfall unbegründeter Eifersucht seine hochschwangere Frau Hermione ins Gefängnis, ihr Neugeborenes lässt er beiseiteschaffen. Zu spät bestätigt das Orakel von Delphi die Unschuld der Gattin, der Familienstress hat den Sohn und Erben Mamilius bereits dahingerafft, auch die Königin bricht zusammen.
Folgt ein Zeitsprung von 16 Jahren, danach das zweite Stück: Perdita («die Verlorene»), als Findelkind bei einem Hirten in Böhmen aufgewachsen, verliebt sich in einen schmucken Königssohn. Die unstandesgemäße Verbindung bringt dessen Vater in Rage, das Paar flieht nach Sizilien. Der König des fernen Reiches erkennt in dem Mädchen seine Tochter wieder – sie hat also doch blaues Blut! Aber es kommt noch besser: Perditas Prinz ist der Sohn des Mannes, dem der König einst eine Affäre mit seiner Frau unterstellte. Leontes erkennt sein Töchterchen, eine Statue seiner Frau erwacht zum Leben, alle sind glücklich vereint.
An dieser Romanze ist schon mancher Regisseur gescheitert. Was tun mit der ...
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Opernwelt April 2017
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Wiebke Roloff
«O douce étoile», seufzt Wolfram, während über der Schneelandschaft Sterne flirren. Und die Hauptfigur heißt nicht Heinrich, sondern Henri. «Tannhäuser» auf Französisch? Wagner hatte seine Oper ja selbst für die Pariser Opéra vorbereitet, in einer Übersetzung von Charles Nuitter. Diese Fassung von 1861 gibt es jetzt an der Côte d’Azur zu hören. Im prunkvollen...
«Der Wind wütete, hoch schwollen die Wogen, schwer wog die Luft von Dunkelheit. Der Ozean verfinsterte sich und der Regen peitschte in Stößen herab.» So beschrieb der Mediävist Joseph Bédier in seiner 1900 erschienenen Nacherzählung des Tristan-Stoffs das Meer. Derart wild geht es an der Cardiff Bay am Abend der Premiere von Frank Martins «Le Vin herbé» zwar nicht...
Es ist nicht ganz so schlimm, so stimmungstötend wie zuvor in der Messehalle am Rande der Stadt. Das aktuelle Exil der Augsburger Opernsparte liegt dichter am Zentrum und bietet dem Genre, freilich in konzertanter Form, seit Langem ein Zuhause. Und dennoch: 70er-Jahre-Betonschick, etwas Holz, viel Orange, keine Hinter- und Nebenbühne – auch der Kongress am Park...
