Sentimental Journey
Der Witz ist Legende, in vielen Varianten erzählt. Wir nehmen mal diese: Auf einer Wolke sitzen die Pultgötter Böhm, Bernstein und Karajan. Böhm erzählt, er habe geträumt, ihm sei ein Engel erschienen und habe ihm versichert, er, Karl Böhm, sei der größte Dirigent. Daraufhin erwidert Bernstein, das sei doch sehr interessant – aber in derselben Nacht sei Gott vor ihn hingetreten mit den Worten, er, Leonard Bernstein, sei der größte Dirigent. Böhm schluckt, Bernstein feixt, da erhebt Herbert von Karajan donnernd seine Stimme: «Ich habe nichts dergleichen gesagt.
»
Stunden-, tage- und nächtelang ließe sich darüber philosophieren, wer von diesen drei bedeutenden Dirigenten wahrhaftig der bedeutendste gewesen sei; sagen wir es so: Sie hatten alle ihre Stärken und Schwächen. Eines aber ist gewiss: Als Komponist reüssierte nur einer von ihnen. Leonard Bernstein hinterließ ein relativ schmales, gleichwohl reichhaltiges Œuvre, aus dem gewiss die Musicals herausragen, das aber auch in anderen Gattungen (Lied, Oratorium, Symphonie) durchaus einige Preziosen beherbergt. Dennoch hat sich die Musikwelt (wie ebenfalls im Fall Furtwängler) stets schwergetan, die kompositorische Begabung dieses in ...
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Opernwelt April 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Jürgen Otten
Das erste Mirakel des Abends ist das Orchester der Opera Vlaanderen. Man hört das knappe Vorspiel zum Prolog so seidenfein leicht und fast beiläufig, wie Verdi es sich wohl gedacht hat. Und was suggestiv beginnt, hält und trägt durch den gesamten «Boccanegra». Alexander Joel bringt die Wunderklänge dieser Partitur zum Sprechen, lässt die Details glänzen, behält...
Namen sind nur Schall und Rauch? Mag sein, im vorliegenden Fall ist das anders. Die Helden dieses «fantastischen» Romans, für den E. T. A. Hoffmann und Bulgakow, Rabelais und Voltaire, Nabokov und Cortazár sowie einige andere bedeutende Novellisten Pate gestanden haben, tragen ihre Namen mit Bedacht, Würde – und vor allem mit einem gehörigen Schuss Ironie. Was soll...
Platée, die von einem Tenor dargestellte Titelfigur in der gleichnamigen Oper Jean-Philippe Rameaus, ist eines der bedauernswertesten Geschöpfe der Opernwelt. Obwohl als hässliche Sumpfnymphe geboren, hält sie sich für das attraktivste Mädchen auf Erden. Doch dieses Missverhältnis sichert ihr nicht nur die Aufmerksamkeit Jupiters, der mit der offenkundigen...
